Ich kam nach Maquelizo, das etwas kleiner als Dipilto, übrigens aber demselben sehr gleicht, schüttelte Freund Dickson die Hand, und nachdem wir einen Tag mit gegenseitiger Erzählung unserer Erlebnisse verbracht, ritt ich weiter gen Honduras. Ich war jetzt auf der Höhe des Gebirges, welches die Wasserscheide zwischen den beiden Oceanen bildet; in einer Entfernung von nur einigen hundert Schritten entsendeten Quellen ihre Wässer nach Osten und Westen.

Bis Yuscaran kam ich nur zweimal an elende Indianerhütten, in deren einer ich übernachtete. Mein Bett war ein hölzerner Trog, in welchem die Thiere, »die Moses Kinder scheuen«, nach ihrem Tode abgebrüht und ihrer Borsten beraubt werden, und mein Schlummer ward sehr gestört, nicht sowohl von den blutigen Gestalten jener unschuldig Gemordeten, sondern von einer Legion Flöhe und anderer Insecten. Ich hatte am nächsten Morgen auch noch das Vergnügen, einen Tiger zu schießen, der mich von einem kleinen Felsblocke aus neugierig betrachtete, als ich eben mein Pferd einen steilen Hohlweg am Zügel heraufführte. Die Kugel drang ihm ins linke Auge und er verschied ohne weitere Protestationen, das Pferd aber hatte beim Knall Reißaus genommen, und ich hatte Mühe, es wieder zu erhaschen. Das schöne Fell brachte ich als Trophäe mit nach New-York.

Am Mittag erreichte ich den Rio di Choluteca, den Grenzfluß zwischen Honduras und Nicaragua. Von Zollbeamten und Gensdarmen zur Visitation der Pässe war hier freilich keine Spur, und doch wäre es mir höchst erfreulich gewesen, dergleichen Leutchen hier zu finden, da sie mir doch die Furth zum Passiren des Flusses hätten zeigen können, zu der ich den Weg im steinigten Terrain verloren hatte; denn da der an und für sich schon große Fluß noch von steilen Felsen eingeklemmt wird, so ist er selbst in der trockenen Jahreszeit nur an einigen Stellen passirbar.

Ich suchte eine Zeitlang, bald auf-, bald abwärts, nach einer Furth, da ich aber keine fand, nahm ich Waffen und Packtaschen auf den Kopf und durchkreuzte auf gut Glück den Fluß an der Stelle, die mir am tauglichsten dazu schien. Bald hatte das Pferd Grund, bald ging es schwimmend weiter, so daß manchmal nur noch unsere beiderseitigen Köpfe zu sehen waren, doch langte ich ohne weiteren Unfall am anderen Ufer an, natürlich so naß, als ein Geschöpf Gottes möglicherweise nur sein kann, setzte meinen Weg fort und langte am Abend im Hause des Herrn George C..... an, eines Engländers, der seit mehr als 20 Jahren hier ist, sich mit einer Tochter des Landes verheirathet hat und nun mit seiner liebenswürdigen Gattin und seinen Kindern ein zwar einsames, aber ruhiges und augenscheinlich glückliches Leben führt.

Sein Ingenio liegt nur etwa 3 Miles von Yuscaran entfernt; ich leistete daher seiner, schon in Dipilto an mich ergangenen Einladung, in seinem Hause zu ruhen, um so lieber Folge, als sowohl das Pferd wie ich vom dreitägigen Klettern gehörig erschöpft waren. Das arme Thier war von dem schweren Reiter und den ausgestandenen Strapazen so mitgenommen, daß es sich durch mehre Tage nicht erholen konnte.

Mit wahrem Wonnegefühl legte ich mich am Abend, nach einer Tasse stärkendem Kaffees, in einem guten Hause unter freundlichen Menschen zur Ruhe und schlief mit dem seligen Bewußtsein ein, morgen nicht gleich wieder in den Sattel klettern zu müssen.

Der Staat Honduras, dessen Grenze ich im Rio di Choluteca überschwommen, ist von den fünf Staaten Central-Amerikas nächst Nicaragua an Flächenraum der größte, an Bevölkerung der kleinste, an Mineralien der reichste, an Productenausfuhr der ärmste. Er erstreckt sich vom 13. bis 16. Grade nördlicher Breite, vom 83. bis 89. westlicher von Greenwich, vom 6. bis 12. westlicher von Washington, ist im Norden und Nordwesten von den carribischen Seen, östlich vom sogenannten Mosquito-Königreiche, südlich vom Staate Nicaragua, südwestlich von St. Salvador, nordwestlich von Guatemala begrenzt.

Die Verfassung ist mit geringen Abweichungen der von Nicaragua gleich.

Der Staat ist in sechs Departements getheilt: Gracias, St. Barba mit dem Hafen von Omoir an dem Carribien-See, Comayagua mit der Hauptstadt gleiches Namens, Yoco, nächst dem Cap Honduras, Choluteca, welches zugleich einen großen Theil des Golfes di Fonseca umfaßt, und in letzterem die wichtigen Inseln Islo de Tigre und Sacate Grande, die, sollte der Atlantic-Pacific-Kanal zu Stande kommen, eine außerordentliche Bedeutung erlangen müssen. Die Stadt Tegucigalpa liegt gleichfalls in diesem Bezirke und ist meist der Aufenthaltsort der Regierung, da die ungesunde Lage von Comayagua diese Stadt nicht recht zur Bedeutung kommen lassen will. Der sechste District endlich, Olancho, ist einer jener unter dem Namen des Mosquito-Königreiches streitig gemachten Landstriche und größtentheils, gleich Yoco und St. Barba, von den Indianerstämmen der Ikakes und Carribes bewohnt; der weiße Theil der Bevölkerung lebt meist zerstreut auf Rindvieh-Haciendas, unter denen sehr ausgedehnte Besitzungen sind. So starb während meines Aufenthalts in Yuscaran einer der reichsten Grundbesitzer, der an 24,000 – sage 24,000 – Stück Rindvieh hinterließ, und deren Weideplätze einen Flächenraum einnahmen, größer als so manches deutsche Fürstenthum.

Zur selben Zeit fand auch einer der öfter vorkommenden Raubüberfälle der Carribes statt, als deren Grund ich aber mehr jene kleinlichen Hetzereien wegen der Gebietsstreitigkeiten ansehe, als wirkliche Feindseligkeiten und Haß; denn so oft ich auch Indianer antraf, fand ich sie doch nur stets von friedfertigem, freundlichem Charakter und sanften Sitten.