Gesellschaft fand ich, außer den beiden jungen deutschen Bergleuten, in Herrn Sch., meinem Doppellandsmann, geborenen Deutschen und naturalisirten Amerikaner, Don Felix S., ein unternehmender, thätiger Mann, dem Dipilto die Einführung der neuesten Verbesserungen verdankt, Don Chico F. u. s. w. Die meisten dieser Leute waren früher durch Guardiolo aus Besitz und Heimath vertrieben worden und jetzt irrte ihr früherer Verfolger in denselben Gegenden heimathlos umher, wo die Vertriebenen sich eine neue Heimath gegründet. »Nehmt euch ein Exempel dran!«
Selbst die frohesten Stunden müssen aber ein Ende haben und so auch mein Aufenthalt in Dipilto. Wenn ich noch andere Punkte für meine Studien ausbeuten wollte, hatte ich, der bevorstehenden Regenzeit wegen, nicht sehr viel Zeit zu verlieren.
Ich fand hier noch größere Schwierigkeit, mir Thiere zu verschaffen, denn die meinigen waren gleich nach meiner Ankunft nach St. Rafael zurück gekehrt, weil der Mangel an Futter dort die meisten unfähig zur Arbeit machte. Da ein Packthier, welches ich mit Mühe und Noth auftrieb, erst in einigen Tagen disponibel ward, mir aber mittlerweile ein ziemlich gutes Reitpferd verschafft worden war, so beschloß ich, mich einstweilen allein auf den Weg zu machen, um in der Zwischenzeit Mr. Dickson, meinen vorjährigen Reisegefährten von der Brigg Rogelin, zu besuchen, der in Maquelizo eine Zweigmine bearbeitete.
So belud ich denn – es war jetzt schon Mitte April – den kleinen munteren Braunen mit den nöthigsten Lebensmitteln, da ich wenig Aussicht hatte, die nächsten zwei Tagereisen bis Yuscaran welche zu bekommen, und begab mich frisch und fröhlich wieder auf die Wanderschaft.
Es ging nun von Neuem an ein Steigen und Klettern durch ödes steriles Gebirg, weit und breit keine Spur menschlicher Wesen, denn ich befand mich hier so ziemlich zwischen den letzten Außenposten der Civilisation. Ich mochte etwa drei Stunden geritten sein und hatte von fern schon mehrmals einzelne Savannen hinter mir in Feuer gesehen, als ich, in einem engen Felsthal eingeschlossen, auf einem kleinen abschüssigen Terrain, bei einer Biegung das Thal vor mir in Flammen sah. Wäre das Gras hier so hoch und dicht wie in den Prairien von Texas, so würde ich jetzt wahrscheinlich nicht im Stande sein, gegenwärtige Zeilen zu schreiben. Die Sache erscheint aber weit gefährlicher als sie wirklich ist, denn das Gras ist hier nur dünn und kurz, brennt schnell wie Pulver ab, und dann bieten auch einzelne ganz nackte Stellen Plätze, wo das Feuer nicht hinreicht, ja bisweilen hält nur ein kleines Bächlein den Gang der Flammen auf. Es geschieht dies Abbrennen absichtlich gegen Ende der heißen Jahreszeit, um dem neuen Grase Platz zu machen.
Zurückzugehen fand ich nicht für rathsam, denn bergauf wäre ich von den Flammen sicherlich eingeholt und vom Feuer und Rauch noch mehr belästigt worden, darum hielt ich auf der etwas hoch gelegenen Stelle an, stieg ab und sattelte mein Pferd etwas mehr zurück, um ihm das Athmen zu erleichtern.
Das kluge Thierchen wieherte leise, als hätte es mich verstanden und wollte mir sagen: Sei nur ruhig und verlaß dich auf mich.
In der That sind auch die Thiere durch das alljährliche Abbrennen der Savannen so ans Feuer gewöhnt, daß selbst Kühe sich ganz gemächlich an gesicherte Punkte zurückziehen, wobei sie freilich die feinere Witterung vor dem stolzen und doch oft so hülflosen Herrn der Erde voraus haben.
Ich hielt nun still, bis die Flammen einen Punkt erreicht hatten der mir günstig schien, gab dem Braunen scharf die Sporen und im raschen Galopp, das Gesicht in des Pferdes Mähne geborgen, tauchte ich gegen den Wind in den dichten Qualm und war in nicht einer halben Minute wieder auf der anderen Seite aus dem Feuer heraus. Zwar war der Boden noch heiß, die Luft schwer und raucherfüllt, allein bald verlor sich auch dies, und als ich nach einiger Zeit an einen Quell kam, wusch ich mein Pferd, das an den Beinen ziemlich versengt war, so wie mein eigenes rauchgeschwärztes Gesicht im kühlenden Naß. Das Fatalste war, daß ich durch die Hatze den Weg verloren hatte und erst eine Weile herumirren mußte, ehe ich ihn wieder fand.
Ich konnte nun freilich Maquelizo diese Nacht nicht mehr erreichen, wie ich gewollt, allein da ich gegen Abend einen Rehbock schoß und auch so glücklich war, ein Bächlein mit noch grünem Ufer zu finden, das Wasser und Futter für's Pferd bot, blieb ich liegen, hobbelte das Pferd, briet mir etwas Fleisch und ließ das andere am Morgen den Coyotas, welche die ganze Nacht darum serenadirt hatten.