Vorwärts jagten die keuchenden Thiere, als wüßten sie besser wie Menschen was da kommen würde, und die Bagage auf dem Lastthiere rasselte, als ob Alles in zehn Millionen Stücken gehen sollte, bis ich endlich, Gott sei Dank! die ersten Häuser von St. Martin erreichte, in deren ersten einem Mr. R...... eben unter seiner Veranda stand; dessen »Good day Sir, glad to see you, expected you since two days!« ward dabei von einem furchtbaren Donnerschlage unterbrochen, zugleich war's, als ob alle Schleusen des Himmels geöffnet würden, und hernieder strömte die Wasserfluth, als wollte es alles Fleisch, das nicht in der Hitze verschmort, vollends ersäufen. Mr. R....... war hoch erfreut mich unter seinem Dache zu sehen, ich aber sicherlich noch viel mehr, denn in solchem Wetter war es wahrlich kein Spaß, auf offener Haide zu sein. Schlag auf Schlag sauste hernieder und dazu brüllte der Donner in einer Weise, gegen die alle Proben tropischer Gewitter, die ich nur je erlebt, als ein wahres Erbsengerolle erschienen.

Es waren zwei Gewitter, eins von der Küste, das andere vom Gebirge herziehend, die sich gegenseitig bekämpften; letzteres schien das schwächere, denn nach kurzem Kampfe ward es von seinem Gegner in die Schluchten zurückgedrängt, der noch lange Zeit ein dumpfes Knurren hören ließ, wie ein Bulldogge nach der Beißerei, sich dann endlich auch zur Ruhe begab und der erfrischten Natur noch einen schönen Abend zu genießen verstattete.

Am andern Morgen sah die ganze Landschaft aus wie eine Fata morgana; die graue Pergamentfarbe vom vorigen Tage war wie durch einen Zauberschwamm weggewaschen und liebliches, sanftes Grün erlabte ringsum das Auge. So etwas war mir noch in meinem Leben nicht vorgekommen: dem Boden, der noch gestern für ewige Zeiten der Vegetation erstorben schien, waren über Nacht zwei Zoll lange Grashalme entsprossen, und Blätter von beträchtlicher Größe hatten sich in Zeit von kaum zwölf Stunden vollkommen entwickelt.

Ich machte mit Herrn R....... einen Spaziergang durch seine Werke, die wohl ergiebiger sein mögen als die von Dipilto und Yuscaran, deren Betrieb sich aber in nichts von jenen unterscheidet.

Von einem Burschen, der des Weges daher kam, hörten wir, daß die beiden Reiter, die ich am Tage vorher überholt, vom Blitze getroffen worden waren, der eine nebst dem Pferde getödtet, der andere schwer beschädigt. Wie froh war ich, ihren Worten kein Gehör gegeben zu haben! Mit dem vielen Metallgeräthe, das ich an mir trug, Büchse, Pistolen, Schwert u. s. w., hätte ich, gleich einem alten Ritter in der Rüstung, einen ganz herrlichen Blitzableiter abgegeben!

Die Minen von St. Martin rechtfertigen ihren Ruf allerdings in hohem Grade; ich sammelte hier die reichsten Stufen; allein wie alle Bergwerksbesitzer klagte auch Mr. R. sehr über Mangel an hinreichenden und sachverständigen Arbeitern und die daraus erwachsende Unmöglichkeit eines ausgedehnteren Betriebes. Eine Compagnie, die während einiger Jahre 5000 bis 10,000 Dollars für Einführung des verbesserten Bergbaues verausgaben könnte, würde ohne allen Zweifel sehr brillante Geschäfte machen.

Ein Ruhetag, ein Abschied und weiter ging's dann, denn von jetzt an stellten sich jeden Nachmittag Gewitter ein, weshalb ich nur kurze Tagemärsche zurücklegen konnte. Die erste Nacht kam ich bis Choluteca, 3 bis 4 Miles von den Ufern des Golfs von Fonseca gelegen, am Flusse gleiches Namens, der hier in der Ebene ziemlich eine halbe (englische) Meile breit, aber nicht sehr tief ist und sich leicht zu Pferde passiren läßt. Der Ort selbst ist traurig und todt und bietet jetzt keinerlei Vortheil, als in seiner Umgebung gutes Acker- und Weideland, auf dem schönes Rindvieh graset. Einwohner mögen höchstens 2000 da sein. Am Abend warf ich vom Thurme der kleinen Kirche noch einen letzten Blick auf den schönen, lieblichen Golf und die wilden, zackigen Gebirge, die mich so weidlich in Schweiß gebracht hatten. Ich schlief im Hause des Mayor, eines jovialen Kauzes, mit dem ich ein Glas trefflichen Burgunders leerte, das ich hier wahrlich nicht zu finden erwartet hätte.

Am andern Morgen, als ich mich eben in den Sattel schwingen wollte, kaufte ein Indianer in seinem Laden 1 Vara (etwa 2 Ellen) Baumwollenstoff; der würdige Magistrat machte mich darauf aufmerksam und meinte lachend, wenn ich ein Buch über Central-Amerika schreiben wollte, möchte ich ja nicht vergessen, Choluteca als bedeutenden Handelsplatz mit anzuführen. Je nun, was nicht ist, könnte wohl noch werden, wenn erst die große Welthandelsbahn rings um den Erdball Central-Amerika durchschneidet und dessen reichen Bodenschatz der Mühe des Ausbeutens werth macht.

Von Choluteca aus geht der Weg durch fettes, herrliches Weideland, meist flach und nur an den ersten zwei Tagen hier und da von niedrigen Hügeln unterbrochen. In vielen der kleinen Flüßchen, die bis dahin trocken gelegen, fing schon an Wasser zu rieseln, und trotzdem nur erst wenig Regen gefallen, mußten sich die armen Thiere doch an einigen sumpfigen Stellen schon arg quälen.

Der erste bedeutendere Fluß, über den ich kam, war der Rio negro, welcher in den Estero real fällt. Von da an ist das Land so eben wie ein Tisch. Den Estero real überschritt ich am andern Morgen ungefähr 10 Meilen höher, als Mr. Belcher, der englische Ingenieur, mit seinem Schiff gekommen war. Selbst da noch hat der Fluß 200 bis 250 Fuß Breite; das Wasser war jetzt freilich noch spärlich, kaum 3 Fuß tief, allein die Ufer sind sehr hoch und von sehr starken, gerad nach dem Wasser sich absenkenden Wurzeln, gleich einem festen Pfahlwerke, geschützt, so daß die Natur die Anlegung und Vertiefung eines schiffbaren Kanals zum großen Theil selbst vorgearbeitet hat.