Die Muchachos (junge Burschen) hatten ringsum an den Bäumen lange Kienspäne befestigt, deren Feuer weithin ein rothes Licht verbreitete; es hätte ein allerliebstes Bild abgegeben, wenn Hunger und Müdigkeit nicht so heftig gegen das Malen protestirten.

Nachdem die Arbeit des Essens vorüber, fingen die Guitarren an zu klimpern. Der mühsam herbeigeschaffte Schnaps stand in weitbauchigen Korbflaschen da, Kaffee brodelte im Kessel und der Majordomo des Festes hatte aus eigenem Antriebe eine mächtige Battea (hölzerne Waschschüssel von 4 Fuß im Durchmesser) voll Chicha brauen lassen, ein Getränk von Ananas, Wasser und Zucker, das eben so angenehm schmeckt als kühlend ist; daneben noch ein ansehnlicher Vorrath von Pinolia, d. i. geröstetes Maismehl, Cacao, Zucker und Wasser, das gleichfalls eine wesentliche und gar nicht unangenehm schmeckende Erfrischung bildet; endlich Zuckerrohr a discretion – kurz, es war ein Leben wie im Schlaraffenlande!

Diesmal war mir's nicht möglich, wie in Totogalpa, mich vom Tanze abzudrücken, denn das wäre als große Beleidigung aufgenommen worden. Zum Glück führte man zuerst den sogenannten spanischen Tanz auf, der ziemlich einfach in seinen Bewegungen ist und darin besteht, daß die tanzenden Paare in einer langen Reihe, je zwei und zwei mit dem Gesichte gegen einander gekehrt, stehen, einigemale die Runde machen, dann changiren, wodurch sie gegen ein neues Paar zu stehen kommen, und so weiter bis ans Ende der Reihe, wo sie sich wenden und wieder zurücktanzen. Das war mir leicht, denn ich hatte ja etwas dem Aehnliches schon in New-York gelernt und verübt, auf Kosten der Fußzehen einiger tanzenden jungen Damen. So nahm ich denn die ganz niedliche Muchacha, die man mir als Partnerin präsentirte, bei der Hand und entledigte mich meiner Obliegenheiten mit möglichstem Anstand und ohne weiteren Unfall; dann aber ließ ich meinen Hammock etwas weiter hinauf am Berge an Bäumen aufbinden und zog mich in meine inneren Gemächer zurück.

Einen allerliebsten Anblick hatte ich von oben hinab auf den Tanzplatz, da sowohl am Berghange als das ganze Thal herauf eine Menge rothe Kienfackeln schimmerten, denn der Ruf der Fiesta, die der Sennor estrangero gab, hatte im Laufe des Tages weithin verbreitet und von nah und fern Gäste herbeigelockt, deren Fackeln wie Leuchtkäfer durch die Nacht schimmerten.

Auffällig war mir die ungewöhnliche Menge von Kröpfen, deren ich in solchem Umfange selbst in Central-Amerika noch nicht gesehen und von denen manche wie ein Kürbis von leidlicher Größe ihren Eigenthümern am Halse baumelten. Ich griff voll Schrecken selbst mehrmals an meine eigene Gurgelgegend, um mich zu vergewissern, ob sich nicht auch da im Laufe des Tages ein solches Gewächs eingefunden hätte.

Wie lange das Fest dauerte, weiß ich nicht, denn nach so anstrengendem Tagewerke schlief ich natürlich hart und fest, nur erinnere ich mich, daß noch eine geraume Zeit Guitarrengeklimper und Jauchzen sich in meine Träume mischten und am andern Morgen Sancho kaum aus dem Schlafe zu rütteln war, was Zeugniß gab, wie fleißig er in der Nacht Beine und Gurgel in Bewegung gesetzt; von agua ardiente und allen anderen Festgenüssen war aber auch nicht ein Atom mehr vorhanden.

Mein nächstes Ziel waren nun die Minen von St. Martin, in kurzer Entfernung vom Golf von Fonseca gelegen, die man mir als die reichsten rühmte. Gegenwärtig werden dieselben vom Capitain M.... H. B. M. N. und Herrn R......., der eine der vielen Schwägerinnen des Herrn George C.... geheirathet, betrieben.

Es war wieder die alte Strapaze, durch steile, kahle Felsenthäler ohne Schatten hinab, wozu noch die liebe Sonne ihre Strahlen in allzu freigebiger Hitze spendete und die Atmosphäre auch nicht vom leisesten Lufthauche gekühlt ward. Der berühmte russische Reisende Krusenstern, wenn ich nicht irre, berichtet von einem südsibirischen See, in welchem eine Fischart existirt, die nur aus Gräten und Haut und dazwischen einer öligen Substanz statt des Fleisches bestünde. Mir war zu Muthe, als sei ich solch' ein armer Fisch und all' mein Fleisch sei geschmolzen wie Butter von der Sonne. Diese übergroße Hitze hatte ihren Grund darin, daß man in diesen Tagen den ersten Regen erwartete, wo immer die Hitze den höchsten Grad erreicht, und in der That begannen sich auch schon mächtige Wolkenmassen am fernen Horizont zusammenzuballen.

Am Nachmittag war ich endlich hinab in die Ebene gelangt, das Gewitter aber war heraufgezogen. Da der Boden eben war, ließ ich meinen Macho ausgreifen, was er nur konnte, um St. Martin möglichst noch vor Ausbruch des Gewitters zu erreichen. Zwei Reiter, die wir überholten, riefen mir zu, nicht so zu eilen, wir hätten noch Zeit; besser ist besser! dachte ich aber, winkte dem Mozo und trottirte frisch weiter. Es dauerte auch gar nicht lange, so schlugen schon einzelne mächtige Tropfen mit dem Knalle einer Peitsche auf die harttrockene Erde nieder, während weiße Staubwolken, emporgewirbelt vom daherbrausenden Sturme, grell gegen den rabenschwarzen Horizont abstachen, hie und da ein zischender Blitz durch die Luft züngelte und dumpfer Donner das Herannahen des Unwetters verkündete.