Die große Bedeutung, welche diese Länderstriche gewiß binnen Kurzem für den Welthandel erhalten müssen, versprechen ihnen eine reiche, gedeihliche Zukunft, werden aber auch viele Ansiedler aus europäischen Ländern hierherlocken, zumal Deutsche, und zu ihrem Nutz und Frommen sei es mir hier noch verstattet, einige auf eigene Erlebnisse und Anschauungen gegründete allgemeine Bemerkungen anzuschließen.
Wer es irgend vermag, der vermeide hier, zumal im Innern, das Alleinreisen, das tausend Beschwerlichkeiten und Verlegenheiten bereitet, und versorge sich mit einem Mozo, einem Packthiere und wo möglich mit einem Hammock, sowie auch mit Lebensmitteln, denn nicht nur, daß man alle Sorge für Satteln, Packen und Füttern des Pferdes übernehmen muß, bieten selbst viele der sogenannten Gasthäuser, außer einer Bettstelle mit roher Ochsenhaut überzogen, nur höchst spärliche Mahlzeiten, ja jenseits Leon hören sie sogar ganz auf. Besonders lästig dabei ist die Verpflegung des Pferdes, da das nöthige Futter meist schwierig aufzutreiben ist, und man, selbst bis zum Tode ermattet, das müde Thier oft noch eine Stunde weit nach dem Protero bringen muß.
Was die Preise der Lebensmittel anlangt, so sind diese durchgängig billig, ausgenommen wenn eben ein starker Durchzug nach Californien die große Heerstraße etwas theuer macht, und nur aus dem Umstande, daß Herr Thiele, derselbe, welcher so heftig gegen Fröbel's Berichte auftrat, nie weiter als nach dem Hafen von St. Juan di Nicaragua gekommen, wohin allerdings die Lebensmittel theils von Granada, theils von Bluefield, über 30 Meilen die Küste entlang, gebracht werden müssen, lassen sich dessen übertriebene Preisangaben der Lebensmittel erklären, wie z. B. ein Ei 1 Media (etwa 2 Silbergroschen), ein Pfund Rindfleisch 1 Real, u. s. w. Ich kann versichern, daß ich selbst an Plätzen, wie Massaya und Managua, wo nach den Landesbegriffen höchst luxuriöse Gasthäuser sind, sogar in Begleitung eines Dieners nie mehr als 1 Dollar für Nachtessen (bestehend aus gebratenem Huhn, Fisch, Eiern, Käse und Chocolade), Nachtlager und Frühstück, incl. des Futters für zwei Pferde, bezahlt habe. Auch die schädlichen Einflüsse des Klimas werden diejenigen nicht zu befürchten haben, welche sich meine Erfahrungen in dieser Beziehung zu Herzen nehmen und dergleichen Extravaganzen vermeiden, wie ich sie mir unvorsichtigerweise zu Schulden kommen ließ.
Die Hauptschwierigkeiten, welche sich, meines Erachtens, dem Einwanderer entgegenstellen, sind: Erstens die wenig consolidirte Stellung, welche der Fremde hier noch einnimmt, theils infolge der politischen Zerrüttungen des Landes, theils infolge der Kurzsichtigkeit der Einwohner, deren ganzes Bestreben nur dahin gerichtet ist, vollauf Bananen und Tortillas essen zu können, und welche sich gewissermaßen fürchten, zu einer angestrengtern Thätigkeit genöthigt zu werden, sobald kräftige, arbeitsame Einwanderer ihnen als Concurrenten gegenüberstehen. Aus diesem Grunde allein werden sie, statt, wie in der Union, durch eine zweckmäßige Gesetzgebung dem neuen Ankömmlinge Erleichterungen zu verschaffen, und durch günstige Bedingungen fleißige Hände herbeizuziehen, welche sich bemühen, dieser in jeder Beziehung fast unerschöpflichen Natur einen stärkern Tribut aufzuerlegen, als ihre jetzigen Gebieter es thun, im Gegentheil noch durch allerhand Einschränkungen und Schwierigkeiten dem Ansiedler sein saures Geschäft noch saurer zu machen sich bestreben.
Die oben erwähnten politischen Zerrüttungen leisten natürlich dieser, theils indolenten, theils böswilligen Opposition der kurzsichtigen Landesbevölkerung noch bedeutenden Vorschub, und so lange es nicht einer ebenso verständigen, humanen, wie energischen Regierung gelingt, eine stabilere Ordnung einzuführen und kräftig aufrecht zu erhalten, dürfte es auch einer fremden Colonisation kaum möglich werden, mit glücklichem Erfolge gegen alle jene Hemmnisse anzukämpfen.
Ebenso kann man endlich auch noch als den schlimmsten Feind, den der europäische Einwanderer, und vor Allem der Deutsche, zu begegnen hat, ihn selbst und seine Landsleute bezeichnen. Auswandern ist an und für sich selbst keine Kleinigkeit, das nehme sich Jeder zu Herzen, der seine Heimath verläßt, er möge sich wenden, wohin er wolle, zumal aber hierher. Dazu kommt aber noch, daß in Deutschland der Unterthan fast in Bezug auf jede staatliche und communliche Einrichtung fortwährend unter Leitung zahlreicher Regierungsbehörden steht, die, so lästig und einengend sie ihm auf der einen Seite auch erscheinen mag, auf der andern Seite aber auch ebenso viele Anlehnungspunkte und Bequemlichkeiten bietet. Im neuen Lande fällt dies nun plötzlich weg, der Auswanderer hüpft wie ein Springteufelchen aus der Dose, alle die Institutionen, Verordnungen und Gesetze, an welche er gewöhnt ist und zu denen er bei jeder vorkommenden Gelegenheit seine Zuflucht nahm, fehlen ihm nun hier plötzlich. Unwissend und ohne Erfahrung, wie eine neue Gesellschaft in einem neuen Lande zu bilden sei, und statt sein Bestes für das Gemeinwohl, auf dem ja das Wohl des Einzelnen mit beruht, zu thun, verharrt der Einwanderer, bei aller körperlichen Uebermühung und einer Menge unnützer Anstrengungen, geistig in einer gewissen Trägheit, und überläßt aus alter Gewohnheit die Organisation des Ganzen denjenigen, welche Selbstaufopferung oder Ehrgeiz genug besitzen, es zu übernehmen, oder auch von Sonderinteressen dazu getrieben werden. Sind nun alle jene getroffenen Anordnungen nicht nach Wunsch, oder entspricht der neue Zustand nicht vollkommen dem Bilde, welches sich der Ansiedler zuvor davon entworfen, so bricht er, statt den Grund in sich selbst zu suchen und sein Möglichstes zur Abhilfe des Uebels beizutragen, in maßloses Schimpfen über das elende Land und die Schurken aus, die ihn ins Verderben gelockt. Dies sind meines Erachtens die Ursachen, warum so viele Pläne von deutschen Colonien, in der Union sowohl als anderwärts, gescheitert sind, dies und die unglückliche Theorienreiterei, welche schon daheim einen vollständigen Plan ausarbeitet, bis auf die Gartenbeete womöglich, ob sie Zwiebeln oder Spargel tragen sollen, gleichviel, ob der Plan ausführbar ist oder nicht.
Haben sich diese Betrachtungen schon in der Union als richtig und begründet erwiesen, wo doch so Manches zur Erleichterung des Einwanderns gethan wird, so wird dies hier um so mehr der Fall sein, wo dem Fremdlinge im Gegentheil eine Menge Erschwernisse in den Weg kommen, und so sehe ich denn auch in dem neuerlichen Versuche der Gründung einer deutschen Colonie in Central-Amerika, so aufrichtig ich demselben auch den besten Erfolg wünsche, kein sonderliches Heil erblühen. Ich setze voraus, daß die Principien dieser Gesellschaft liberaler und praktischer sein werden, als die des Mainzer Schutzvereins in Texas; es kann dieselbe auch schon aus andern Gründen wohl nicht so ganz scheitern wie jene Colonie; dennoch kann ich kaum glauben, daß eine größere Anzahl von Leuten so viel Thatkraft und Resignation besitzt, die namenlosen Mühseligkeiten einer Ansiedelung hier im Lande gemeinsam zu bewältigen, nur um ihren Kindern ein besseres Loos zu bereiten, als sie selbst dabei erwartet. Solche Gesinnung gehört aber unbedingt dazu, soll der Ansiedler frohen Muthes über das Ungemach hinwegkommen, das überall sein Beginnen begleitet. Geschieht dies jedoch und kommt die junge Colonie nur erst glücklich über die Kinderjahre hinaus, so wird ganz gewiß diese herrliche, üppige Natur dem gut angewandten, redlichen Fleiße einen reichen Lohn nicht versagen.