Cellist Behnke.
Seit vierzehn Tagen studierte das Theaterorchester des Kapellmeisters neue symphonische Dichtung »Märchen«. Der gemütliche Kapellmeister Hornbach brachte die Musiker diesmal fast um. Nichts konnte ihm recht sein. Ton nicht und Tempo. Er fand späte Einsätze, falsche Töne, Schwankungen in den einzelnen Stimmen, die er gewiß sonst übergangen hätte. Es waren nur sehr geringe Fehler, die immerhin mal passieren konnten. »Mehr Temperament, mehr Verve!« rief er ein übers andere Mal. »Mittun, bitte, nicht so lahm, nicht so hängen lassen.«
Die Musiker schüttelten die Köpfe. Sie taten doch schon alles mögliche. Aber weil sie Hornbach so lieb hatten und ihn als Künstler so hoch schätzten, setzten sie immer wieder froh und frisch die ganze Kraft und bestes Wollen ein. Hornbach aber schien eine Manie erfaßt zu haben, abzuklopfen.
Sonntag im Symphoniekonzert sollte die Premiere sein.
Am Samstag war Hauptprobe.
In den letzten Tagen war der Kapellmeister etwas milder geworden. So, wie er sonst war. Es ging flott, daß es eine Freude war. Und wenn er auch hier und da mal ein Gesicht zog, zuletzt lächelte er doch.
Fritz Behnke, der Cellist, war diesmal erster. Zum erstenmal, da der geniale Poppel, der seither als erster das Cello gespielt hatte, gestorben war.
Hornbach hatte lange gezögert. Im Cello lag ein großes Solo. Es verlangte einen ganzen Künstler. Ja, wenn das der Poppel noch streichen könnte. Da würde es zittern und wieder zittern bis in den letzten Saalwinkel. Bis in die Fußspitzen würd's prickeln.
Aber der Behnke!?
Er war ja fleißig, äußerst fleißig. Er hatte sich eine respektable Fertigkeit angeeignet. Wohl. Und er konnte auch Ton geben. Ja Gott, alles recht brav und ordentlich, gewissenhaft bis ins einzelnste. Aber es fehlte doch etwas. Das Individuelle, das persönlich Tiefe. Behnke war ein brauchbarer, guter Musiker, aber halt kein Künstler.