Der Ochsenwirt hatte so noch einmal am Sonntag ein vollbesetztes Lokal und das Haus »voll Disput«, wobei er tapfer ausschenken konnte. Er hatte »seinen Schnitt« bereits gemacht. »Ja, das Geschäft muß man verstehen!« Er hatte beinahe die Preise schon wieder verdient. Denn wieder waren sie gekommen, von Latzenbach und Werden, von Bellenbach und Sundsbach, ja von Hatzbach, von Weilau und Buchenau sogar. Es war ja »was Unerhörtes«, kaum zu glauben. So hohe Preise!

Man hatte »das Kreisblättchen« dreimal durchstudiert und jedem Schellen genau zugehört, ob es nicht wieder eine Verschiebung gegeben habe. Keiner hatte was davon gelesen, ausgeschellt war's auch nicht worden. Das Preiskegeln fand also statt. »Sonntagnachmittag von drei Uhr ab.«

Schon am Sonntagmorgen ging's beim Ochsenwirt hoch her. »Ich wett' en Humpe« — »ich e Fäßche« — »der krickt die Uhr — der krickt se!«

»Halt die Meiler!« sagte der Schusteranton. »De Hannphilipp von Garnbach hot noch all die Preiskegele rundherum gewunne, der krickt aach die Uhr diesmol — do will ich eich mein Kopp verwette. Un ich were den Regulator krieje, daß er meiner Fraa als die Stunne schlägt, wann ich owends hocke bleib« — fügte er hinzu. Es war noch kein rechter Witz, wie sie der Schusteranton sonst machte, aber er hatte auch noch nichts »unnerm Dach«.

Schlag drei Uhr warf dann Peter Knoll eine Kugel in die Vollen. Damit eröffnete er das Preiskegeln. Und dann begann die Reihe. Auf jeden Einsatz drei Kugeln, die erste in die Vollen. Der Polizeidiener und der Lehrer führten die Liste. Die waren unparteiisch.

Anfangs ging's still her. Nur bei einem guten Wurf ein kurzes Hallo. Dann ruhig die Reihe weiter. Der Lehrer rief die Namen und bestimmte die Kugeln, der Polizeidiener rief die Würfe.

Gegen vier Uhr kamen die Burschen aus Buchenau. Sie kamen alle auf einmal, während sich die Gäste aus den anderen Ortschaften vereinzelt, zu zweien oder dreien, eingefunden hatten.

Bei den Buchenauern war der »Jean«. Der genoß ein ganz besonderes Ansehen. Der Jean wurde in der Gegend nur mit seinem Vornamen genannt. Höchstens hieß er auch noch »der Herr Ober«. Er war nicht in der Gegend geboren, er war ein Rheinhesse. Er war mit dem Grafen »herüber« gekommen, als dieser vom Militär kam. Er war sein Bursche gewesen — bei der Artillerie hatten sie gedient — und der Jean hatte dem Grafen gefallen. Und der Jean war auch gerne mit ihm gegangen. Während des Manövers hatte er mal im Odenwald gelegen, und da hatte es ihm gefallen: der Wald, die Berge! Seit zwei Jahren etwa war er nun der Oberknecht auf dem Gute des Grafen. So hatte er sich in die Höhe geschafft.

Und er war auch ganz der Kerl dazu. Schöner war keiner weit und breit. Und keiner stolzer.

Und gut war er. Er sorgte für seine Knechte; was sie ihm klagten, vertrat er beim Grafen. Und er forderte auch nicht zu viel von ihnen, keine Arbeit, die er nicht selbst tat. Er tat allen voraus.