Da hatte er Verachtung und — Verzeihung gelernt. Denn er hatte sie in Verzweiflung gesehen, wildfeindlich gegen sich selbst, erstickend vor Ekel — vor Haß und Scham. Da hatte er das Mitleid gelernt.
Früh war er reif geworden. Das Schicksal hatte ihn in die Lehre genommen. Es hatte ihm die Jugend vergiftet, denn es hatte seinen Kinderaugen das Leben gezeigt, in seiner Härte und seinem Schmutz, in seinen Abgründen, Lockungen und Falschheiten.
Da ward er in sich selbst zurückgeschreckt. Er fühlte sich als Gegner zum Leben, zu all seinen Reizen und Genüssen.
Sein Wille ward so geweckt. Dem Leben einen besseren Wert! schrie's in ihm.
Er hielt sich allein. Er war ernst. Er ward froh im Freien, befreit und gesund in der Natur draußen, wenn er im Grase lag, wenn er die Straße hinwanderte, wenn er die Vögel singen hörte, die Blumen blühen sah und die Bäume Früchte tragen. Den Bauer liebte er, der den Acker bestellte, und er hätte einen Tag lang zusehen können, wie sein Pflug durch den Boden schnitt.
So hatte ihn sein Schicksal geformt.
Gering war er, aber so jung er noch war, er hatte sich nicht herabziehen lassen. Er hatte einen Stolz in sich und eine starke Sicherheit. Und das wußte er: Klagen und Sehnen konnten ihm nicht helfen, es galt eine Tat.
Er war siebzehn geworden und eines Tages wußte er, was er tun mußte. Eine ekelhafte Szene zu Hause hatte ihn zum Entschluß gebracht. Ganz plötzlich war's ihm eingefallen: er wollte ein Bauer werden. Morgen wollte seine Gesellschaft weiterziehen. Am Abend ging er. Ohne Abschied, gleichsam ein Wankendwerden fürchtend. Und er fand auch eine Stelle und blieb, bis er »einrücken« mußte.
So war er frei geworden. Er arbeitete mit Pflug und Hacke, unermüdlich, und atmete auf. Er befreite sich. Manchmal zerrte es ja in ihm, so gering zu sein und unbeachtet. Aber er sprach sich Mut und Hoffnung zu. Geduld und Ausdauer, sagte er sich. Er würde schon »hinauf« kommen. Langsam in sich — und dann auch vor den Menschen.
Und er hatte ja auch ein wenig Glück dabei. Wenigstens war's ein Glück zu nennen, daß er an den Grafen gekommen war.