Jetzt zitterte er am ganzen Körper. Schweiß trat auf seine Stirn. Eine Last legte sich auf seine Brust. Das nahm ihm fast den Atem. Nun wurde es ihm zum Ersticken heiß. »Erfüllung« — das gespenstische Wort wieder und wieder.
Er sah eine Gestalt auf sich zukommen, halb Habicht, halb Mensch. Die Hände waren mächtige Fänge, die Augen glühten, in dem krummen Schnabel staken spitze, blutige Zähne. Dieses Untier würgte alles Leben. Und ein junges, liebes, blasses Kind spielte da am Wege. Sein Kind. Und der Habichtmensch griff schon nach ihm ...
Eine stöhnende Angst ... Und das Kind hob das Auge, sah seinen Vater an, so gehorsam–vorwurfsvoll, so traurig ... Welch ein Schmerz! — Und er lief davon, weit fort, über Steine, über Felsen — immer den Berg hinauf ... Aber es heftete sich etwas an seine Fersen. Er trat nach hinten ... Er hörte das Weinen seines Kindes, als habe es den Tritt bekommen ... Aber es hielt ihn fest, fest wie mit einem scharfen Haken ... Und es lief an ihm hinauf ... Das Leben war's, das junge Leben, das nicht vergehen wollte ...
»Du Mörder, du Egoist!« schrie's ihm gellend ins Ohr.
Nun saß es ihm fest im Genick — und es drückte seine Nägel in seinen Hals ... Es überlief ihn starr, kalt ...
»Gleiches Recht — Recht zu leben wie du — oder Kampf!« schrie's.
Er konnte nur noch stöhnen.
»Kampf! — Kampf!« jubelte es.
Da drückte es ihn nieder, nieder auf einen Felsengrat über einem dunklen Abgrund. — Er schlug sich die Schläfe auf — da fühlte er einen schnellen scharfen Schnitt, noch einen blutigen Riß im Gehirn — — alles war auseinander ...
»Leben, Leben!« schrie's über ihm. »Triumph!« ... Da brach er in sich zusammen zu einem morschen Klumpen ...