Eine solche fand er im Verlauf des nächsten Tages noch nicht, sondern kehrte am Abend nochmals in seinen Albergo zurück und begab sich, von der ungewohnten italienischen Luft, der starken Sonnenwirkung, vielem Umherwandern und dem Strassenlärm ziemlich ermüdet, zur Ruhe. So fing auch schon das Bewusstsein bald an, ihm zu verdämmern, doch grade im Einschlafen begriffen, ward er wieder aufgeweckt, denn sein Zimmer war durch eine nur durch einen Schrank verstellte Thür mit dem nebenan befindlichen verbunden, und in dieses traten zwei Gäste, die am Morgen davon Besitz genommen, ein. Nach ihren, die dünne Scheidewand durchklingenden Stimmen ein männlicher und ein weiblicher, die unverkennbar der Classe der deutschen Frühlingsstrichvögel angehörten, mit denen er gestern von Florenz hierhergefahren war. Ihre Gemütsstimmung schien der Hotelküche ein entschieden günstiges Zeugniss auszustellen, und der Güte eines castelli romani-Weines mochte es zu danken sein, dass sie ihre Gedanken und Empfindungen äusserst deutlich vernehmbar mit norddeutschen Zungen austauschten:
»Mein einziger August –«
»Meine süsse Grete –«
»Nun haben wir uns wieder.«
»Ja, endlich sind wir wieder allein.«
»Müssen wir morgen noch mehr ansehen?«
»Wir wollen beim Frühstück 'mal im Bädeker nachsehen, was noch nothwendig ist.«
»Mein einziger August, du gefällst mir viel besser, als der Apoll von Belvedere.«
»Das hab' ich oft denken müssen, meine süsse Grete, du bist viel schöner, als die capitolinische Venus.«
»Ist der feuerspeiende Berg, auf den wir hinaufwollen, hier nahebei?«