Die Niederlage der italienischen Truppen in Adua Anfang März 1896 führte dann zum Sturze Crispis, und da auch die Verlängerung des mit Ende 1895 ablaufenden Internierungsgesetzes von der Kammer abgelehnt war, so war damit der Höhepunkt der Verfolgung überschritten. Der am 11.–13. Juni 1896 abgehaltene Kongreß von Florenz zeigte eine neue Stärkung der Partei, denn während in Reggio nur 294 Vereine in 209 Orten vertreten gewesen waren, zählte man jetzt 450 in 420 Orten. Allerdings war die Mitgliederzahl von 107830 in Reggio auf 28000 herabgegangen, aber dies war nur die Folge des Grundsatzes der unmittelbaren Mitgliedschaft, und die 21000 waren ausschließlich solche Personen, die eingeschrieben waren und regelmäßig ihre Beiträge gezahlt hatten. Die Partei verfügt über 27 Zeitungen, von denen einige, wie „La Lotta di Classe“, „Battaglia“, „Giustizia“, bis zu 7500 Auflage haben. Das wissenschaftliche Organ der Partei ist die „Critica Sociale“.
Fußnote:
[54] Mitteilungen über italienische Gewerkschaften finden sich in: C. F. Ferrari, Saggi di economia statistica, übersetzt von Eheberg in Schmollers Jahrb. Bd. V, S. 247 ff., außerdem in der Statistica della società di mutuo soccorso, Rom 1888, p. XV und in Colnaghi, Italy, the condition of labour 1891. Im allgemeinen ist die Litteratur über italienische Arbeiterverhältnisse äußerst dürftig, so daß Biermer im Handw. d. Staatsw., II. Erg.-Bd., S. 437 bemerkt: „Ueber die Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen sind wir so gut wie nicht unterrichtet.“ Die beste deutsche Quelle bilden die Aufsätze von Sombart in den „Blättern für sozial. Praxis“ und »Braun's Archiv für soz. Gesetzgebung, insbesondere Bd. VI, S. 209, 215, 549, 557, Bd. VIII, S: 521 ff. Vgl. außerdem Virgili, daselbst Bd. XI, S. 726. Einen Ueberblick über die Entwickelung der „Italienischen sozialistischen Partei“ giebt der für den internationalen Arbeiterkongreß in London 1896 erstattete Bericht vom 27. Juli 1896. Mailand. Druckerei des Vorstandes der sozialistischen Partei.
VIII. Die übrigen europäischen Länder.
Wie in Italien, so haben sich auch in den noch zu erwähnenden europäischen Ländern die meist noch sehr geringen Ansätze einer gewerkschaftlichen Bewegung im Anschlusse an die politische Sozialdemokratie entwickelt.
In Dänemark ging die Bewegung von der Internationale aus, indem 1871 der „Internationale Arbeiterverein für Dänemark“ gebildet wurde, der, in eine Reihe von Sektionen für die verschiedenen Gewerbe eingeteilt, die Beförderung von Arbeitseinstellungen und die Schaffung von Produktivgenossenschaften als seine Aufgabe ansah. Als 1873 die Internationale polizeilich aufgelöst und verboten wurde, bildeten die einzelnen Sektionen selbständige Gewerkvereine, deren es damals 27 gab, von denen aber die Mehrzahl sich später wieder zu einem „Sozialdemokratischen Bunde“ zusammenschlossen. Seit 1880 ist die Gewerkschaftsbewegung stärker geworden und es haben sich in den meisten Betriebszweigen Gewerkvereine gebildet. Auf dem sozialdemokratischen Kongreß, der Ende Juli 1892 in Kopenhagen stattfand, wurde die Zahl der politischen Parteiangehörigen auf 15000, diejenige der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auf 32000 angegeben.
Ueber die Fortschritte in den letzten Jahren geben folgende Zahlen Anhalt:
| 1894 | 1896 | |||||
| Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter | ||||||
| in Dänemark betrug | 27841 | 63377 | ||||
| Davon | waren | Mitglieder | von | Zentralverbänden | 25576 | 54757 |
| „ | „ | „ | „ | einzelstehenden Lokalvereinen | 2265 | 8620 |
| Solche Lokalvereine gab es | 45 | 53 | ||||
| während die zentralisierten Vereine | 426 | 802 | ||||
| betrugen, die an Gewerkschaftsverbänden bildeten | 23 | 40 | ||||
| Die Jahreseinnahmen | betrugen | in | Kronen | 317372,14 | 711063,61 | |
| Die Jahresausgaben | „ | „ | „ | 261862,97 | 586669,83 | |
Die Verteilung auf die einzelnen Berufe ergiebt sich aus folgender Tabelle: