»Wie das schnell geht,« sagte der Prinz; »es ist enorm. Sehen Sie nur mal her, das saust alles vorbei. Da, ein Storch! Da, in der Wiese! Rasch doch, sehen Sie! Rasch doch!«

Der Doktor that ihm den Gefallen und blickte hinaus, aber sah keinen Storch, das Tier war ihm auch durchaus gleichgültig.

»Ich könnte den ganzen Tag am Fenster stehen, wenn das alles so vorbeifliegt. Dörfer und Berge, die man nie gesehen hat. Sehen Sie die Mühle da? Famos.«

Karl Heinrich war aufgeregt wie ein Kind, das seine erste Eisenbahnfahrt macht. Ein einziges Mal in seinem Leben hatte er eine größere Reise ausführen dürfen, mit seinem Oheim an den Hof zu Dresden, aber das war zehn Jahre her. In Karlburg benutzte man die Eisenbahn selten, denn in dem kleinen Fürstentum brachten gute Pferde einen schneller ans Ziel als die Eisenbahnen mit ihrem verzwickten Sekundärbetrieb.

Und auf allen Bahnhöfen fremde Gesichter, Engländer, Offiziere, ein Drängen und Hasten, nichts von der feierlichen Ruhe, wie sie daheim im Schloß zu Karlburg herrschte.

In Eisenach und Bebra kam Herr Lutz, der Kammerdiener, ans Coupé, um mit abgezogenem Hute sich nach Seiner Durchlaucht Wünschen zu erkundigen; er that das so auffällig, daß die Fremden von allen Seiten her den Prinzen anstarrten.

Heftiger als es seine Art war, sagte Karl Heinrich: »Lassen Sie das, bleiben Sie in Ihrem Coupé, ich will das nicht. Ich wünsche zu reisen, ohne aufzufallen.«

In Eisenach und Bebra kam Herr Lutz ans Coupé.

Er wunderte sich selbst über seine Kühnheit, denn Herrn Lutz anzufahren, war in der That eine Kühnheit. Herr Lutz war bisher nicht mehr und nicht weniger als zweiter Kammerdiener Seiner Durchlaucht des Fürsten gewesen, hochangesehen bei allen Kavalieren, gefürchtet bei der niederen Dienerschaft, umworben von allen denen, die mit Bittgesuchen dem Fürsten nahten. Seine Ernennung zum Kammerdiener des Erbprinzen war allgemein so gedeutet worden, daß damit für Herrn Lutz eine Art Mission gegeben war, eine Vertrauensstellung, in der es sich darum handelte, dem jungen Prinzen in der Fremde nicht nur zur Seite zu stehen, sondern auch dessen Lebensführung in die richtigen Bahnen zu leiten.