Eine Weile unterhielten sie sich, aber des Doktors Konversation hatte den Fehler, daß sie, mochte man sprechen, über was man wollte, stets in einem Bogen auf seine eigne Person lenkte. Er holte aus seinem Ueberrock eine orangefarbene Broschüre: »Die Naturheilmethode bei Verfettungskrankheiten und Fettleibigkeit« und zeigte dem Prinzen einige blau angestrichene Stellen:

»Nach der Methode lebe ich von jetzt an. Keine Butter, kein Fett, kein Oel, kein Reis, keine Rüben und was da sonst noch verboten ist. Lesen Sie, bitte, die Stelle durch. In Heidelberg wird das durchgeführt, strikt.«

Karl Heinrich, der so schlank war wie ein gut gewachsener junger Baum, hatte alle Bücher und Schriften über des Doktors Krankheit durchstudiert, so that er ihm auch jetzt den Gefallen und las die unendlich langweiligen Rezepte.

»Morgens eine Tasse Kaffee oder Thee mit etwas Milch und 75 Gramm Brot. Mittags 100 Gramm Suppe, 200 Gramm gesottenes Rindfleisch, 25 Gramm Brot. Abends ein bis zwei weiche Eier und so weiter.«

Aber schließlich wurde ihm die Sache fad.

»Zum Kuckuck, Doktor, das ist gegen die Verabredung! Zum wenigsten heute, wo es nach Heidelberg geht!« Er schlug ihm derb auf die Schulter. »Wir beide allein, und niemand, der einen kujonieren kann! Man kann’s noch gar nicht begreifen, daß das jetzt wirklich ist! Wenn Sie das Buch nicht wegstecken, werf’ ich’s aus dem Fenster.«

Der Doktor lächelte etwas wehmütig.

»Ja, ja, Karl Heinrich.«

Merkwürdig: die große Freude, die er seit Monaten und Wochen auf diesen Erlösungstag zusammengedrängt hatte, wollte nun, da der Tag und die Freiheit gekommen waren, sich nicht einstellen.

›Es ist zu spät,‹ dachte er, ›das hätte ein Jahr eher kommen müssen. In Heidelberg wird Karl Heinz mich begraben.‹ Und während der Prinz wieder am Fenster stand, rollten über des Regierungsrats dicke Wangen zwei Thränen, die er mit dem Handrücken fortwischte.