»Sollst leben!« – Ja, er lebte, und der Doktor, der das tausendmal gerufen hatte, moderte in der Erde.
»Sollst leben!« Ja, der Karl Heinz lebte noch, ein herrliches Leben!
Er schenkte das Glas von neuem voll und hob es empor. Gegen die dunkle Ecke da drüben starrte er und schwenkte das Glas:
»Doktor!!«
Und als alles totenstill blieb: »Dein Wohl!«
*
Herr Lutz saß draußen im Vorzimmer und kämpfte seit Stunden mit dem Schlafe. Nie seit der Heidelberger Zeit hatte man ihm eine solche Nachtwache zugemutet. Zu verschiedenen Malen horchte er an der Thür, ob Seine Durchlaucht nicht etwa am Schreibtisch eingeschlafen sei, aber immer wieder hörte er drinnen die dumpfen Schritte des ruhelos auf und ab Wandelnden.
Ja, was war geschehen?!
Aber Herr Lutz konnte nicht mehr denken. Er war so sterbensmüde, daß sein Körper zwar noch wachte, aber sein Geist vollständig gelähmt erschien. O gut, daß diese Hochzeit vor der Thür stand. Von da an ging man pünktlich schlafen und lebte, wie sich’s gehört.
Da endlich – es war nachts drei Uhr – kam der erlösende Ruf der schrillen Glocke.