»Heidelberg!«
»Fünf Minuten Aufenthalt!«
Damals hatte der dicke Doktor mit seinem trockenen Phlegma gesagt: »Ein Jahr Aufenthalt«; ein dünnes Lächeln ging um Karl Heinrichs Mund, und indem er sich bewegungslos an die Thür lehnte und auf den Schaffner wartete, murmelte er – fast ohne es selbst zu merken: »Zwei Tage Aufenthalt, – zwei Tage – zwei –«
Er ging neben Lutz durch die Menge und stieg in den Wagen. Er kannte jedes Haus, an dem man vorbeifuhr, und sah auch jedes Haus, aber seine Gedanken waren fern, nirgends. »Ein Jahr Aufenthalt« – das war alles, an was er dachte. Und daran, daß aus diesem »Jahr Aufenthalt« für den Doktor ein »ewiger Aufenthalt« geworden sei. Aber diese Erwägung hatte nichts Sentimentales, sondern kam ihm wie eine mathematische Folgerung, die man sich im Kopfe zurechtlegt, weil der Schädel augenblicklich an nichts Vernünftiges zu denken vermag. Er hätte genau so gut vor sich hin denken können: ›Dreimal neun ist siebenundzwanzig.‹ Als ob auf den Kopf und das Denken von allen Seiten her ein ungeheurer Druck ausgeübt würde, der das Hirn zu der Größe einer Haselnuß zusammenpreßte.
Der Wagen rollte über den Markt: da lag Frau Dörffels Haus mit den sechs Fenstern, hinter denen er gewohnt hatte.
Er nickte stumpf vor sich hin: »Ja, ja!«
Vor dem Hotel »Zum Prinzen Karl« flüsterte Herr Lutz dem Portier und dem Oberkellner ein Wort ins Ohr, das in wenigen Sekunden das ganze Haus in Aufregung brachte.
Tief neigte sich alles, und der Fürst schritt mit seinem starr abweisenden Gesicht zwischen der Dienerschaft die Treppe empor, in ein Zimmer, als ob er daheim zu Karlburg die Treppen hinaufstiege.
Als Herr Lutz mit einem ängstlichen Blick seinem Herrn den Arm reichte, lehnte sich der Fürst schwer darauf.