Karl Heinrich stand auf und setzte seinen Fuß auf das Trittbrett, aber er zog ihn wieder zurück und schloß die Wagenthür. Er war unselbständig geworden wie einst, fast schlimmer noch als damals. Es war doch ein so leichtes, wie andre Menschen auszusteigen, sich einfach und natürlich zu bewegen, den Kellner zu rufen, zu bezahlen und so weiter, – und er konnte es nicht.
Konnte es nicht. Er machte noch einmal den Versuch, aber der kalte Schweiß trat ihm auf die Stirn.
Der Zug hatte schon lange Frankfurt wieder verlassen, als der Fürst immer noch in den Polstern saß, die Augen starr auf die gegenüberliegende Wand gerichtet, die Arme schlaff herabhängend.
›Eine Marionette, die nur tanzen kann, wenn man sie an den Drähten zerrt. Unbeholfen wie ein Kind und feige wie ein Kind.‹
Ein grimmiges Lachen verzog sein blasses Gesicht. Er wollte aus der Schule in die Freiheit laufen! Wenn auch nur für zwei armselige Tage! Er, der keinen Schritt mehr allein gehen konnte! Der sich an jeder Ecke stieß, alles schief sah und in Heidelberg nicht mehr im stande sein würde, ein einziges natürliches Wort zu reden.
Dorf an Dorf flog in der Abendsonne vorbei. Weinheim, – da war das famose Mädel mit den zwei blonden Zöpfen gewesen, mit der Prinz Karl Heinz eine halbe Nacht getanzt hatte.
Jugenheim. Ein leises Lächeln ging über seine matten Züge. Da hatte man mit dem Darmstädter Pensionat die tolle Affaire gehabt.
Das alles war erst zwei Jahre her? Nicht länger.
Noch zehn Minuten, noch acht, – fünf – drei – da kamen die ersten Häuser – und da: der Neckar!
Sein Herz schlug zum Zerspringen.