»In Heidelberg. Ganz recht. Ja, ich will schlafen.«

*

In tadellosem Gesellschaftsanzug, das dreifarbige Seidenband über der tief ausgeschnittenen Frackweste, vortrefflich frisiert und comme il faut zurechtgestutzt, versammelte sich »Saxonia« mit fünf »alten Herren«, zehn »Corpsburschen« und acht »Füchsen« in Seiner Durchlaucht Empfangssalon, um Seiner Durchlaucht die Aufwartung zu machen.

Es war vormittags zehn Uhr.

Man flüsterte und stand in Gruppen. Herr Bilz ging von einem zum andern und gab mit seiner immer etwas wehmütig klingenden Stimme namentlich den Jüngeren und Jüngsten die letzten Verhaltungsmaßregeln. Aber Herrn Bilz selbst klopfte das Herz. Er war nun vierundzwanzig Semester in Heidelberg und hatte vielerlei Menschen jeden Standes kennen gelernt, aber einem regierenden Fürsten war er noch nie entgegengetreten. Er repetierte die Rede, mit der er Seine Durchlaucht empfangen wollte, und fand sie jetzt nüchtern, abgeschmackt. Nichts schwieriger als diese kleine Rede. Sie konnte zu feierlich geraten oder zu kordial, zu pathetisch oder zu kühl, sie konnte durch die geringste falsche Nuance alle Stimmung zum Teufel jagen.

Mit dem feinen Batisttuch tupfte er sich leicht auf die Stirn und ging wieder zu den Füchsen: »Ihr bleibt hier stehen im Hintergrunde, bis ich euch winke. Ihr sprecht nur, wenn der Fürst euch fragt. Um Gottes willen, Winz, wie siehst du aus? Was hast du für einen Frack an?«

»Ich habe ihn geborgt,« sagte Winz ängstlich.

»Ach, ach, ach!« Herrn Bilz’ wehmütige Stimme hatte einen tieftraurigen Ton, aber er ging auf die fatale Sache nicht weiter ein. »Bleib hinten stehen, auf jeden Fall, hörst du? Daß niemand dich sieht.«

Ueber dem ganzen Corps lag eine große Stimmung: ein regierender Fürst, der gewissermaßen zu »Saxonia« gehörte und »Saxonia« zu sich lud! Kein Heidelberger Corps, das sich einer solchen Ehre rühmen konnte.

Da: