Man fuhr spät abends in sechs Booten neckarabwärts nach Heidelberg zurück. Die Musik im vordersten Kahne spielte ihre ewigen Studentenlieder, die dem, der sie alle Tage hört, so langweilig scheinen und dem, der sie nach langen Jahren zum erstenmal wieder vernimmt, das Herz zermartern.
Der Fürst saß über den Bord gelehnt und ließ das vorbeiströmende Wasser durch seine herabhängende Hand gleiten. Der Neckar ging nach den Wolkenbrüchen der letzten Woche mit hohem Wasser, so daß die Boote schnell stromab Heidelberg entgegenglitten. Am rechten Strande sah man schon von weitem eine durch bunte Lampions hell erleuchtete Ufermauer. »Da kommt Rüders Gasthaus,« sagte Herr Bilz.
»Wo?« Karl Heinrich fuhr aus seinem Brüten empor.
»Da.« Und nach einer Pause fügte Herr Bilz hinzu: »Die Corps verkehren nicht mehr bei Rüder oder nur noch selten. Aber Durchlaucht erinnern sich noch an Rüder? Wir haben da manche Nacht gesessen.«
»Weshalb verkehren die Corps nicht mehr bei Rüder?«
»Einen rechten Grund giebt es nicht. Das ist in Heidelberg und wohl allenthalben Modesache. Vielleicht war das Bier nicht mehr gut. Die Corps gehen jetzt meist nach Neckargemünd.«
»So!«
»Und wie das so kommt, jetzt ist bei Rüders kaum noch was zu thun. Neues Publikum gewöhnt sich schwer hin, das ist immer so.«
Der Fürst antwortete nicht. Aus der dunkeln Nacht, die über dem Neckar lag, kamen die Lampions immer näher, ein paar kümmerliche Lampions mit kleinen Lichtstümpfen, die sich in dem Nachtwinde schaukelten. Schwer und massiv ragte die Ufermauer aus dem Strome, während die Linden im Garten, schwach beleuchtet, mit ihrem feinen Grün herüberschimmerten. Die Musik war im vorderen Boote verstummt, man hörte nur das Plätschern der Ruder und aus den weiter zurückfolgenden Booten undeutliche Worte.
Jetzt glitt der Kahn vorbei. Man sah mitten in den Garten hinein, der fast leer war. Rechts und weiter hinten saßen ein paar Menschen, vorn über die Mauer lehnte eine weibliche Gestalt, von der man nur die dunkeln Umrisse sah.