Als der Fürst gegen Abend mit dem Corps über die Berghänge und Wiesen neckaraufwärts ging, war eine tiefe Ruhe über ihn gekommen. Herr Bilz ging neben ihm und erzählte, die Stimmen der andern hörte er dicht hinter sich, aber die Worte und Laute drangen zu ihm wie aus einer weiten Ferne. Ihm war zu Sinne wie einem ermüdeten Wanderer, der einen Tag ausruhen darf. Morgen ging es weiter; hierher nach Heidelberg – zu den Studenten – würde er nun nie mehr zurückkehren. Er empfand das ohne Schmerz. Sie waren ja alle freundlich, aufmerksam, aber im Grunde genommen war er für sie ein Fremder geworden. An der Stelle des einstigen »Du« und des »Karl Heinz« das steife »Eure Durchlaucht«. Er würde diesen Tag nicht bereuen, er hatte ihm seine Jugend noch einmal gezeigt, aber freilich nicht mehr in dem goldnen Sonnenschein der Mittagshöhe, sondern in einem matten Abendschimmer.
Bisweilen blickte er zur Seite auf Karl Bilz. Vor Jahren hatten sie zusammen tolle Streiche gemacht, gezecht, gepaukt, sich geduzt, und heute ging dieser selbe Karl Bilz neben ihm wie ein Fremdenführer, der »Seiner Durchlaucht« aus der Chronik von Heidelberg erzählt.
Nein, fort! Er hätte reisen sollen! Schon heute! Denn im Grunde genommen war dieser ganze Tag nichts als ein langsames Würgen, ein Tag, an dem alle Jugenderinnerungen erdrosselt wurden.
Ein einziges Wort, das aus vollem Herzen gekommen wäre, ein einziger echter Laut, der sagen würde: »Du bist unser guter Freund gewesen, wir haben dich lieb gehabt. Heute stehst du uns fern, aber wir werden immer an dich denken, dich nie vergessen! Denn wir sind zusammen jung gewesen!« …
»Da drüben liegt Neckargemünd!« sagte Herr Bilz.
Aber nichts, nichts!
»Da drüben liegt Neckargemünd,« sagte Herr Bilz.
»Ja, Neckargemünd.«
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