Und Herrn Lutz, den Fourier, den Kutscher im Dunkel zurücklassend, gingen die beiden in der That zu Fuß nach der Stadt.
Karl Heinrich war nie zu Fuß gegangen, das heißt nie in den Straßen der Stadt. Wenn ihn der Weg durch Karlburg führte oder durch eine der andern kleinen Städte von Sachsen-Karlburg, so geschah das meist zu Wagen, selten zu Pferde, aber nie zu Fuß. Es war, als ob es ganz außer dem Bereich der Möglichkeit liege, daß der Fürst oder der Erbprinz oder fremde Fürstlichkeiten das Karlburger Pflaster mit den Stiefeln berührten.
Weshalb das so war? – Vielleicht hätte nicht einmal der Hofmarschall Herr von Lehe darauf eine Antwort gefunden, aber uralte Sitte hatte den Gebrauch gleichsam zum Gesetz erhoben.
Man ging – der Fourier als Führer voran.
Wie in Frankfurt auf dem Bahnhof streiften fremde Menschen an dem Prinzen vorbei; er mußte ausweichen wie jeder andre, und die Kutscher, die vom Bahnhof her in die engen Straßen fuhren, jagten so dicht an ihm her, daß er einmal hastig nach des Doktors Arm griff und sich bestürzt an ihn lehnte.
»Die fahren einen ja über!«
»Man muß aufpassen,« sagte der Doktor trocken.
Nun wurden die Straßen wieder breiter, man konnte ruhiger gehen.
Es war dreiviertel zehn Uhr, aber der erste Maiabend füllte die Luft mit so sommerlicher Wärme, daß die Leute vor den geöffneten Hausthüren standen. Die Mädchen spazierten Arm in Arm ohne Hut auf und ab, bisweilen kichernd, oft laut lachend; Studenten, die in Scharen vorbeigingen, nickten den Mädels vertraulich zu, es war ein lebhaftes Treiben voll südlicher Wärme.