Da drang aus einer Seitenstraße Musik, ein dichter Schwarm Menschen wälzte sich aus der Gasse auf die Hauptstraße, nun füllte sich die Luft mit Rauch, und mit schmetternden Trompeten und vielen hundert Fackeln kam ein Zug Studenten an dem Prinzen vorbei.
Sie gingen immer zwei in einer Reihe, von je zwei Fackelträgern flankiert, lauter lustige Gesichter, die den aus allen Fenstern schauenden Mädchen zulachten.
»Was ist da los?« fragte der Doktor einen der Zuschauer.
»Das sind die Corpsstudenten, die feiern heute S. C.-Antrittskommers.«
»Aha!«
Mit vielen hundert Fackeln kam ein Zug Studenten.
Zuerst kamen die Vandalen als präsidierendes Corps mit ihren roten Mützen, die mit dem goldenen Band die badischen Landesfarben vertreten, dann die Sachsen-Preußen in weißen Stürmern, danach die grünen Westfalen, die gelben Schwaben, die blauen Rheinländer und zum Schluß die dunkelblauen Sachsen, die kleine Veilchenbouquets an ihren Mützen trugen. Die drei Chargierten jedes Corps gingen in Wichs: Cerevis, Sammetpekesche, weiße Lederhosen, hohe schwarze Stulpenstiefel, in der Hand das Rapier; alle andern nahmen die Affaire weniger feierlich, sondern schlugen zum Schutz gegen den Pechqualm der Fackeln die Rockkragen in die Höhe.
Mehr als einer blickte dem Prinzen, der in der vordersten Reihe der Zuschauer stand und mit großen, offenen Augen den Zug anschaute, scharf ins Gesicht: das war ein neuer Student, den man noch nicht kannte, ein eleganter junger Mann, vielleicht ließ sich der »keilen«.
Die enge Straße war so angefüllt gewesen von Lärm und Musik, Menschen und Fackelqualm, daß es jetzt, als der Zug vorbei und alle Leute ihm nachgelaufen waren, plötzlich still und einsam erschien.