»Na, denn gute Nacht, Eure Durchlaucht. Nun schlafen Sie nach der langen Reise recht tüchtig. Und träumen Sie was Schönes.«

»Danke.« Er nahm ihre dicke dargebotene Hand und fühlte einen gutgemeinten Druck.

Auch die Kleine kam unbefangen: »Wünsche gut zu schlafen.«

*

Vom Kirchturm schlug es Mitternacht. Im Hause war es totenstill, alles schlief, sogar Herr Lutz, der eine Stunde und länger in seinem Loch von Hinterzimmer wie ein Tiger auf und ab gewandelt war. Kein Schrank in diesem Zimmer, sondern nur ein paar Kleiderhaken mit einer gemeinen Kattungardine! Kein Spiegel, keine reguläre Waschtoilette, und dies Bett! Ein eisernes Gestell mit geblümten ordinären Ueberzügen!

»In dem Bett schlaf’ ich nicht,« er nahm sich das fest vor, »lieber bleibe ich wach, die ganze Nacht.«

Als einzigen Schmuck zeigte die kahle Wand über dem Bett ein frommes Bild: Sankt Sebastian, der, an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchlöchert, mild und fast heiter in die Welt schaut. Herr Lutz konnte an diesem geduldigen Märtyrer keine Freude haben, er war ein Mann aus anderm Holz geschnitzt.

›Wartet nur bis morgen,‹ dachte er, ›wartet nur alle! Ich schreibe an den Hofmarschall, ich schreibe an Seine Durchlaucht selbst!‹

Schließlich legte er sich dann doch schlafen, der Gewalt weichend. Man hatte ihm ein Butterbrot und eine Flasche Bier ins Zimmer gestellt, die er beide am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte, jetzt meldete sich aber der Hunger, und auf dem geblümten Bett sitzend, verzehrte er das kärgliche Mahl.

Käse!