Ob er Brüder hätte? – »Nein.« – Aber Schwestern? – »Nein.« – Aber Eltern? – »Die sind tot.«

»O wie schrecklich! O wie schrecklich!«

Sie sah ihn so mitleidig an, als ob er eben vom Kirchhof komme, aber dann fiel ihr ein, daß es ihr selbst gerade so ergangen war:

»Ich hab’ nämlich auch keine Eltern mehr.«

»O –«

Und sie betrachteten sich trotz des hellen Sonnenscheins und ihrer eben noch guten Laune mit dem etwas konventionellen Mitgefühl.

»Denn die Dörffel ist nur meine Frau Tante oder Frau Großtante. Ich bin auch nur bei ihr zur Hilfe.«

Sie hielt das Kaffeebrett, das sie schon vor einer halben Stunde zusammengeräumt hatte, immer noch in den Händen, und auf der Lehne eines Sessels sitzend sah sie trübe vor sich hin.

Karl Heinrich blickte sie schweigend an. Sie war eigentlich ein fremdartiges Ding, ganz anders wie die blonden Mädchen in Karlburg. Das Gesicht war südländisch braun, die gelockten Haare tiefdunkel und ebenso dunkel die Augen. Es lag etwas sehr Zierliches über der ganzen Figur, man mußte unwillkürlich an ein Zigeunermädchen denken.

Sie gab sich einen kleinen Ruck, als ob sie die sentimentalen Anwandlungen abschütteln wollte: