»Aber Doktor! Es ist Mittag!«

»Ja, gleich, fünf Minuten!«

Unnötigerweise wartete der Prinz vor der Thür, immer die Kleine anschauend, die sich merkwürdig lange im Korridor zu schaffen machte; dann endlich erschien der Doktor, höchst flüchtig angekleidet.

»Einen Moment. Lutz! Wo ist Lutz?! Lutz, helfen Sie mir mal. Hinten die Krawatte festziehen – so. Einen Moment noch, Durchlaucht. Bürsten Sie mich mal ab, Lutz. Und dann holen Sie mir einen Schluck Kaffee.«

»Wir wollen spazieren fahren,« sagte Karl Heinrich, der seine hellen Handschuhe anzog und immer noch mit Käthie Blicke wechselte.

»Nicht fahren, gehen.«

»Auch gut.«

Und Herr Lutz zog die Krawatte fest, bürstete und holte Kaffee. Alles mit der vornehmen Ruhe seines Standes. Aber innerlich kochte es in ihm. Das schlug dem Faß den Boden aus: dieses Schulmeisters Frechheit! Dieser Herr behandelte ihn als Diener, als Allerweltsbedienten! »Bürsten Sie mich mal ab, holen Sie Kaffee.« Konnte der edle Herr nicht seinen Rock selbst abbürsten?! Lutz zitterte vor Aufregung.

Eines fürstlichen Kammerdieners Pflichten und Rechte sind so streng umschrieben wie die eines hohen Beamten. Er dient lediglich und ausschließlich den persönlichen Bedürfnissen seines Herrn, er hat mit allen gröberen Arbeiten nichts – absolut nichts! – zu thun, der Unterschied zwischen einem Kammerdiener und einem ordinären Lakaien ist überhaupt nicht in eine Formel zu bringen. Der eine ist Künstler, der andre Handwerker.

Herr Lutz, der für den Schulmeister Kaffee holt! Es war zum Lachen! Oder vielmehr durchaus nicht zum Lachen.