Der Neckar. Der aus Schwaben kommt, aus Schillers Heimat, aus Uhlands Lande, aus dem Schwaben der Hohenstaufenkaiser. Er fließt vorbei an der alten Feste Tübingen, bei Reutlingen, gen Stuttgart, durch Heilbronn, vorbei an des alten Berlichingen Nest durch ein Land, in dem jeder Fuß Boden Erinnerung atmet und Poesie.

Bis dann der Neckar endlich nach Heidelberg kommt und in die weite, flache Ebene des Rheins hinauszieht. Der Neckar endet nicht in Mannheim, wie es die Karten der Geographen lehren, er endet in Heidelberg. Er endet wie kein andrer deutscher Fluß: in einem Märchenglanz von Schönheit.

Schweigend stiegen sie weiter bergauf und traten durch das alte Thor von rotem Sandstein in den Schloßgarten.

Ein paar Fremdenführer gähnten am Eingang, aber drinnen unter den alten, epheuumsponnenen Bäumen war alles still und einsam. Die fremden Besucher weilten um diese Mittagsstunde unten in ihren Hotels, die Studenten sitzen zur gleichen Stunde in der Stadt beim Frühschoppen, und die Heidelberger selbst haben nicht Zeit, mittags umherzubummeln.

Ein Eichkätzchen sprang vor ihnen durch den Epheu, sonst rührte sich nichts ringsum. Und schweigend gingen sie weiter, über die Brücke in den Schloßhof, hinaus auf den Altan, zurück an dem zerschossenen Turme vorbei, die Balustraden entlang.

Der Doktor sprach bisweilen einige Worte, aber der Prinz antwortete einsilbig oder nickte nur stumm.

Erst nach geraumer Zeit, in der der Doktor im Gehen sich gelobt hatte, jeden Tag heraufzukommen und damit seiner Kurzatmigkeit zu steuern, sagte Karl Heinrich:

»Wir wollen eine Flasche Wein trinken – haben Sie Lust?«

Ja, der Doktor hatte Lust.

»Nehmen Sie eine Zigarre?«