»Kellermann!«

»Was?«

»Holen Sie drei Postkarten.«

»Schön!«

Er kam zum zweitenmal an Karl Heinrich vorbei, der ihn nun genauer betrachtete. Er trug eine Art Uniformrock und eine Portiermütze dunkelblauer Farbe, seine ganze äußere Erscheinung sollte ohne Frage auf eine Stellung als Diener hinweisen, aber nie hatte jemand – wenigstens nach Karl Heinrichs wohlgeschulten Begriffen – weniger Aehnlichkeit mit dem Typ eines solchen. Er ging beständig in einem kleinen Trab, ohne schneller von der Stelle zu kommen als andre Leute, die ihre Wege in ruhigem Schritt zurücklegen, seine Nase war blaurot, und der Schnurrbart, den er im Gegensatz zu andern glattrasierten Dienern trug, hing melancholisch-jämmerlich nach beiden Seiten. Die Augen hatten etwas Trauriges, sie schienen immer nur geradeaus zu sehen und alles, was rechts und links lag, absolut unbeachtet zu lassen. Er sah auch Karl Heinrich nicht an, obwohl er zweimal ganz dicht an ihm vorbeitrabte.

›Welch ein merkwürdiger Mensch,‹ dachte der Prinz, aber seine Aufmerksamkeit richtete sich weniger auf diesen als auf die Studenten.

Sie tranken trotz der frühen Morgenstunde gehörige Quantitäten Bier.

Sie saßen so entfernt, daß er nur ihr lautes Lachen hörte oder das häufige »Kellermann«-Rufen, immerhin konnte er sie in Muße beobachten. Sie trugen sämtlich Mütze und Band in den Sachsenfarben, das war das einzige, was sie als Studenten kennzeichnete. Nichts an ihnen erinnerte an die alten, traditionellen Studentenfiguren, wie sie zu jener Zeit – Ende der siebziger Jahre – noch in den Büchern oder auf den Theaterbrettern umherspukten. Kein Schnürrock, keine Kanonenstiefel und keine Tabakpfeife, elegante Jungens, die sich auch ohne jene halbvergessene Vermummung ihres Studententums offenbar außerordentlich freuten.

Sie tranken trotz der frühen Morgenstunde gehörige Quantitäten Bier, es war amüsant und lustig, sie zu beobachten.