Irgend etwas regte sich in dem Prinzen, eine Sehnsucht, ein nie gekanntes Gefühl der Einsamkeit. Er blickte auf den dicken Regierungsrat, der mit seiner erloschenen Zigarre schlief und plötzlich so merkwürdig alt aussah. Gewiß, der Doktor war ein guter Kerl, mit dem Karl Heinrich seit vielen Jahren in bester Weise harmoniert hatte. Dieser Doktor war der erste und einzige gewesen, der in die stickige Luft des Karlburger Schlosses einen frischen Zug und in des Prinzen kalte Jugend einen Hauch von Lebensfreude gebracht hatte, aber …

In dieser Stunde begriff Karl Heinrich! Daß man ihn daheim in Karlburg betrogen hatte, um seine ganze Jugend! Bediente, die mit ihm spielen mußten, Bediente, mit denen er spazieren ritt, Bediente jahraus jahrein, von früh bis spät, ewig nur bezahlte Leute!

Bis gestern war er ja überhaupt blind gewesen! Er hatte nichts vom Leben gewußt, gar nichts! Man hatte ihn gefangen gehalten, in einem goldenen Käfig, wie ein Tier, das dressiert werden soll.

Ein großer, hübscher Junge ging an ihm vorbei: »Kommen Sie mit, Kellermann, wir wollen eine Bowle ansetzen, Maibowle.«

»Schön!«

Mit müden, glanzlosen Augen sah der Prinz ihm nach. Er wird immer allein bleiben, zeitlebens.

Da kam der Kellner hastig hergelaufen und tippte dem erstaunten Prinzen formlos auf die Schulter:

»Sehen Sie mal hin! Der Herr, der da allein kommt! Das ist Herr von Scheffel!«

»Wo?«

»Da!«