»Ich habe mir die Freiheit genommen, Herr Regierungsrat, meine Karte heute mittag in Ihrer Wohnung abzugeben, man sagte mir dort, daß ich Sie hier antreffen würde.«
»Ja ja.«
»Meine Bitte, Herr Regierungsrat, geht dahin, daß Sie die große Liebenswürdigkeit haben möchten, mich Seiner Durchlaucht vorzustellen.«
»Dem Erbprinzen?«
»Ich bitte darum.«
»Und – e – was, und – e – weshalb? –«
»Ich möchte Seiner Durchlaucht im Auftrage meines Corps die Bitte vorlegen, ob Seine Durchlaucht unserm Corps die Ehre geben würde, heute abend dem Kommers beizuwohnen.«
»Ach so!« Er lächelte. Das hätte er sich gleich denken können. Denn was ist im Anfang des Semesters für die Verbindungen wichtiger, als neue Mitglieder »keilen«! Gottesfürchtig und dreist sein, das ist bei diesem und jenem Werbemetier die Hauptsache. Und gleich einen Prinzen fangen! Das wäre ein hübscher, fetter Bissen.
Was würde man in Karlburg dazu sagen, wenn Karl Heinrich, der Erbprinz, in einer Studentenkorporation Mitglied würde! Freilich thun das sogar die preußischen Prinzen und Thronfolger in Bonn, aber was man in Berlin zu erlauben beliebt, braucht deshalb für Karlburg noch längst nicht maßgebend zu sein. Im Gegenteil.
Der Fürst würde – ganz ohne Frage – darüber sehr wenig erfreut sein, und alle Schuld würde – ebenfalls ganz ohne Frage – ihm, dem Doktor, beigemessen werden. Er war nicht nach Heidelberg geschickt, um sich zu amüsieren, sondern einem weltfremden jungen Prinzen die richtige Direktive zu geben. Er sah die Gesichter der Karlburger Hofleute, wenn eine solche Nachricht dort eintreffen würde: das apoplektische Gesicht des Hofmarschalls, die Fischaugen des Herrn von Baltz – alle erschreckt, empört, angstvoll auf Durchlaucht schauend.