Dann wurde es Abend, das Schloß drüben am Berge tauchte in die Schatten der Nacht, in den Häusern von Heidelberg jenseits des Neckars wurden Lichter angezündet, und nun steckten Herr Rüder und die Corpsdiener die Lampions an, die über allen Tischen baumelten, in den Bäumen und an der Ufermauer schaukelten, daß ihr Bunt und das Bunt der Mützen und das helldurchstrahlte Grün der Büsche eine leuchtende Farbensymphonie ergaben.

Karl Bilz, der mit seinem melancholischen Schnurrbart neben Karl Heinrich saß – er war Saxonias bester Fechter, sah aber zwischen den derben, geröteten Gesichtern seiner Corpsbrüder aus wie ein verkleidetes Mädchen –, sagte mit seiner leisen Stimme zu dem Prinzen:

»Wenn es dir recht ist, gehen wir eine Weile spazieren.«

»Ja, gern.«

»Man wird müde von dem langen Sitzen.«

Sie gingen durch die Reihen der Tische und den niedrigen, schlecht erleuchteten Hausflur hinaus auf die Landstraße. Vor dem Zaun standen Jungen und Mädchen und erwachsene Dirnen, die auf die Musik horchten. Weiter entfernt vom Hause wurde es ganz still, nur hin und wieder drückte sich ein Liebespaar im Dunkeln an ihnen vorbei. Der Mond war noch nicht aufgegangen, die Straße lag im Schatten der Sommernacht, und je weiter sie gingen, um so leiser und ferner klang die Musik herüber. Jetzt spielte sie: »Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein«, aber es war nur noch wie ein Verklingen, während rechts in den Neckarwiesen die Heimchen zirpten und ein paar Frösche quakten.

»Gefällt es dir in Heidelberg?«

Es war nur eine konventionelle Frage, die das Schweigen unterbrechen sollte, aber in das immer noch verhaltene Glücksgefühl fiel sie wie ein erlösendes Wort.

»Du?!«

Mit einem eisernen Drucke preßte der Prinz des andern Hände, fest wie einer, der zum ersten Male im Leben sein Herz öffnen darf.