Scheu blickte er nach dem Doktor hinüber, der hierher gesendet war, um die Ausführung des fürstlichen Willens zu überwachen, aber dieser Doktor stand vor einer riesigen Steingutterrine, in beiden Händen je eine Weinflasche, deren Inhalt er in die Terrine glucksen ließ.
»Nein, es gehört keine Zitrone daran!« hörte Karl Heinrich ihn aufgeregt rufen, und als irgend jemand am unteren Tisch zu widersprechen schien, hieb der Doktor mit einer der Weinflaschen auf die Tischplatte und rief fuchsrot vor Eifer:
»Ich habe in Karlburg tausend Bowlen angesetzt! Man wird zum Donnerwetter doch wissen, ob Zitrone dazu gehört!!« – –
An diesem Abend saß Herr Lutz und wartete zu Hause auf die Heimkehr Seiner Durchlaucht.
»Ich komme wahrscheinlich nicht vor elf Uhr,« hatte Seine Durchlaucht gesagt, »Sie können, wenn Sie wollen, Lutz, bis dahin ein Glas Bier trinken gehen.«
Herr Lutz hatte das gethan, das heißt, er hatte einige Schoppen Rotwein zu sich genommen, da er Bier nicht vertragen konnte. Der Wein war nicht schlecht, so daß Lutzens Laune im Laufe des Abends ruhiger und versöhnlicher wurde als seit Tagen.
›Man soll nichts,‹ dachte er, ›auf die Spitze treiben; lieber in dieser verfluchten Universitätsstadt ein Jahr ausharren als querulieren. Man setzt sich dabei doch nur in die Nesseln.‹
Um halb elf ging er, wie alle Bürgersleute, heim, zündete in den Zimmern die Lampen an, ordnete Seiner Durchlaucht Schlafgemach und schaute dann aus dem Fenster. Er gähnte etwas, aber er war noch nicht müde.
Immerhin hätte Seine Durchlaucht jetzt nach Hause kommen können.
Elf Uhr. – –