»Eurer Durchlaucht hiermit ergebene Mitteilung, daß Seine Hochfürstliche Durchlaucht ernstlich erkrankt sind und Eure Durchlaucht ersuchen lassen, möglichst im Laufe nächster Tage auf einige Zeit nach Karlburg zu kommen.«
Die Depesche war von dem Hofmarschall gezeichnet, ebenso die beiden folgenden, deren erste eine kurze Skizze der Krankheit gab, während die zweite etwas beruhigender lautete und Seine Durchlaucht bat, die Krankheit einstweilen keinesfalls als lebensgefährlich anzusehen.
Er wandte sich um:
»Es ist gut, Lutz, gehen Sie. In einer Stunde komme ich nach Hause. Packen Sie die Koffer, wir reisen morgen abend.«
Die wenigsten hatten den kleinen Zwischenfall bemerkt, und als eine Viertelstunde später Karl Heinrichs Platz an der Tafel leer war, beachtete das niemand.
Am Ausgang des Gartens blieb der Prinz stehen und sah sich noch einmal um.
Wie nun, wenn die Krankheit sich lang hinzog und ihn Wochen oder gar Monate an Karlburg fesselte?
Wenn er – möglich war auch das – nie mehr nach Heidelberg zurück könnte? Aber er raffte sich zusammen und ärgerte sich über seinen Kleinmut. Das war seine Art, alles im hellsten oder dunkelsten Lichte zu sehen, eine weibische, schwächliche Art, wie sie Leuten eigen ist, die nie ernstlich mit dem Leben gekämpft haben. Und mißgestimmt über sich selbst, vergaß er sogar, Käthie gute Nacht zu sagen.