»Ja, nie wieder.«
»Das ist doch nicht möglich.« Alles Blut wich aus ihren Wangen. »Du kommst doch wieder?«
Er lachte. Er war seiner Sache jetzt so sicher, daß er darüber schon spotten konnte. Wenn der undenkbare Fall eintreten sollte, daß man ihn aus irgend welchen Gründen in Karlburg zurückhalten würde, so würde er die Rückkehr nach Heidelberg erzwingen. Er war nicht mehr der Junge, der sich am Gängelbande leiten ließ, und es gab keine Macht, die ihn in seiner endlich gewonnenen Freiheit dermaßen beschränken durfte.
»Nimm den Fall, Käthie, ich käme nicht, nie mehr, was thätest du dann?«
Ihre Lippen zitterten, sie wollte etwas sagen und fand kein Wort; dann stand sie auf, ging mit zwei Schritten zu ihm und schlang ihre Arme um seinen Hals.
»Du kommst wieder, Karl Heinz, ganz gewiß.«
Und Stunde auf Stunde verrann, und während immer noch der Regen in gleichmäßiger Eintönigkeit niederrauschte, saßen die beiden in der Glasveranda am Neckar vor Herrn Rüders badischem Wein, den Käthie oft erneuern mußte.
Die Tanten in der Küche und Herr Rüder selbst schauten wohl bisweilen durch den Spalt in der Glasthür, aber sie störten das Paar nicht. Es kamen auch im Laufe des Nachmittags ein paar Gäste, die man vorn in der Gaststube festhielt.
Als dann kaum noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des Frankfurter Schnellzuges übrig blieb, spannte Herr Rüder seinen Fuchs vor die Halbkalesche und setzte sich selbst auf den Bock, um seinen angesehensten Stammgast zur Bahn zu fahren.
Es war die stilloseste Art, in der je ein Erbprinz nach einem Bahnhof befördert wurde: Eine kleine Kellnerin, die ihm mit dem Taschentuch nachwinkte, ein galoppierendes Pferd, eine miserable Kutsche, die mit Schmutz bespritzt vor den Bahnhof rasselte, kein Gepäck, keine Diener, nur ein Herr Rüder, der etwas bezecht war und sofort wegen Galoppfahrens von dem Polizeidiener aufgeschrieben wurde.