„Ach Gott, Fritz?!“
Ich reiche beide Arme an der Leiter empor, um das ängstliche Vöglein aus dem Baum im Notfall im Fall auffangen zu können.
„Da rennen sie schon über die Wiese nach dem Walde! Mach rasch, Evchen!“
„Ach Gott, ja! Sie hören ja nun wieder nicht! Und ich ginge doch so gern erst hin und sagte es zu Hause, wo wir geblieben sind.“
„Wir sind ja zu Vier, Evchen! Und einer wird doch wohl übrig bleiben und Nachricht bringen, wenn drei von uns zu Schaden kommen.“
„Ja, und ihr wollt dann, daß ich das bin! Mein Vater ängstigt sich wohl nicht; der kommt vielleicht auch erst zum Abendessen heim. Aber deine Mutter!… Und Irenens Vater?!“
„Das ist nun zu spät. Sie rufen schon vom Walde her; hörst du?“
Sie rufen wirklich, und wir kommen. Wir folgen der glücklichen, seligen Spur durch den Tau der Wiese; und nun sind auch wir, Eva Sixtus und ich, in dem kühlen Schatten der Buchen, und — wunderbar! ein Gewissen hatten wir bis eben, aber nun ist es uns gleichfalls abhanden gekommen. Sie haben alle kein Gewissen in den Gebrüdern Grimm, und wir stecken nun eben ganz darin, in dem Märchen, in der Wonne des Abenteuers der Kinderwelt — ganz und gar darin wie die zwei anderen, Ewald Sixtus und Irene Everstein!
Was geht in der Menschheit Behagen über diese ganze volle Gewissenslosigkeit des Märchens oder noch besser der Jugendzeit? — Die „ewige Seligkeit“; denn die wird freilich in einem noch etwas höheren Grade gewissenslos sein.