„Sie wissen, daß Sie mir immer willkommen sind, Durchlaucht,“ erwiderte ich.
„Also, Adieu, mein Bester, und auf Wiedersehen!“
Wir schüttelten uns noch einmal die Hände, während der Vetter Just bereits die Treppe hinaufstieg.
Das war im ersten Stockwerk eine breite, vornehme, mit Teppichen belegte Treppe, die zu einer auf dem Eckständer der Brüstung eine Glaskugel haltenden Bronzefigur emporführte. Aber die Teppiche waren auf dem nächsten Absatze verschwunden, und auch die Stufen waren steiler geworden. Der Kommissionsrat, der die Beletage des Hauses innehatte, wohnte bedeutend eleganter als die Freifrau Irene von Rehlen, die wir in dem glückseligen Nußbaum, auf den Wiesen, in den Parkalleen und in den Wäldern von Schloß Werden einst in ihrer fröhlichen Wildheit, blondlockig und blauäugig, als unseren besten Kameraden und nur, wenn sie uns zu sehr durch einen ganz unvermuteten Schabernack aus der Fassung gebracht hatte, als dies „Fräulein Gräfin“ oder (nach Ewalds Ausdruck) als „diese ganz abgefeimte Haupthexe, diese Irene“ gekannt hatten.
Ich stieg hastig dem Vetter nach, der vor der Glastür mit dem jetzigen Namen unserer Jugendfreundin einen Augenblick lang sich schwer auf das Geländer stützte und, unverständlich mit sich selber sprechend, sich mit dem Taschentuch über die Stirn fuhr.
„Das sollte nun wohl ein Trost sein, daß uns dieser Mann da eben an der Tür begegnete?!“ brummte er mir zu. „O, diese Hand würde ich darum hergeben, wenn ich dadurch jetzt meine Eva Sixtus hierherschaffen könnte, Fritz Langreuter!“
Weshalb gab mir nun dieser Name Eva Sixtus auch in dieser Stunde, in dieser Umgebung und unter diesen Umständen, von ihm ausgesprochen und gleichsam zur Hülfe herbeigerufen, in tiefster Seele einen Moment bittersten Unbehagens, — wie das Volk sagt: einen Stich durch das Herz?! Ich hatte wiederum keine Zeit, darüber nachzudenken; die Glastür war nicht verschlossen, und der Vetter hatte sich „besonnen“, wie er sagte, und „die nötige Selbstbeherrschung wiedergewonnen.“
Als wir auf den etwas dunkeln Vorplatz traten, öffnete sich gegenüber eine Tür, und der Doktor kam heraus, geleitet von Mademoiselle Martin, deren runzeliges Gesichtchen verkniffener denn je erschien.
„Ah messieurs!“
Ich kannte auch den Arzt persönlich und wußte, daß er als einer der besten Kinderärzte der Stadt galt. Er gab mir etwas verwundert die Hand; aber dem Vetter Just schüttelte er sie ganz vertraulich.