„I, so wollt’ ich doch!“ Und der sonnige Bergrücken mit seiner Tannenanpflanzung und seinem Thymiansduft, die Hügel mit ihren Wäldern, Wiesen und Ackerstreifen nah und fern, der ferne Fluß und die Kirchtürme der Heimatsdörfer waren versunken: der fremde Herr, der am Morgen während meiner Abwesenheit bereits einmal dagewesen war und seinen Namen nicht hatte kundgeben wollen, stand vor mir — stattlich, braunbärtig, breitschulterig und in einem wohlsitzenden kleidsamen Sommerkostüm. Und anstatt jetzt zuerst mir seinen Namen zu nennen, reichte er mir die Hand entgegen und sagte mit dem Ausdruck verzwicktest gelassener Bonhommie:

„Guten Abend, Langreuter.“

Ich aber stand dem langen, festen Menschen gegenüber auf ziemlich unsicheren Füßen:

„Das ist — ich bin — aber ist denn das?… Ewald?!… mein Gott, Ewald Sixtus!… Ist es denn möglich?… Ewald Sixtus! Bei allem, was lebt, das bist du?“

„Und du bist das auch!“ sprach der Freund. „Ich habe dich sofort wiedererkannt, und jetzt sei so gut und nimm meine Hand; ihr braven, übersinnlichen Zweifler habt gewöhnlich am innigsten das Bedürfnis, euch durch Befühlen von der Wirklichkeit der Dinge zu überzeugen. Alter Freund Thomas, ich freue mich unendlich, dich endlich mal wiederzusehen!“

Ich setzte mich, rede aber von den Lauten und Gesten der Überraschung nicht weiter, sie wiederholen sich wie alles übrige auf Erden. Aber alles, was mir der Vetter Just neulich von seinem Besuche in Belfast und von diesem Manne erzählt hatte, glitt jetzt blitzschnell durch mein Gehirn. Der irische Ingenieur aus Belfast, Herr Ewald Sixtus aus Werden, nahm auch einen Stuhl und setzte sich gleichfalls und — sah mich von der Seite an.

Eines hatte ich in meiner Einsamkeit zu einer gewissen Vollkommenheit gebracht: die große Kunst, auf Blicke zu achten, und dieser hob mir nur den Vorhang von einer uralten Lehre weg:

„Nun, dies ist aber großartig! Er ist ganz der Alte geblieben, und er hat den Vetter Just und uns alle jetzt nur gerade so zum Narren gehalten wie vor zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren!“ ……

Wie ein Schleier sank es abermals nieder vor der Zeit, die vor zehn, zwanzig und noch mehr Jahren war. Schloß und Dorf Werden, die Weser und der Steinhof lagen abermals im Sonnenlichte; aber durch das Sonnenlicht lief’s wie ein sonniges, mutwilliges Grinsen, und — Ewald Sixtus hieß einer der Hauptzüge der schönen Gegend!

„O Ewald!… Willkommen! sei mir herzlich willkommen zu Hause!… Der Vetter Just — unser Just Everstein hat mich neulich schon von dir gegrüßt!“