Am Ausgange des Dorfes nahmen der Vetter und ich für diesmal von neuem Abschied voneinander und trennten uns gottlob im besten Einvernehmen. Er schwang sich ein wenig schwerfällig auf seinen Fuchs und ritt gen Bodenwerder; ich wandelte langsamen Schrittes und unter einigem Selbstgespräch nach der Försterei zurück.
Hier saßen Ewald und Eva wieder bei der Lampe am Tische und hatten wohl das Ihrige gesprochen während meiner Abwesenheit. Das gute Mädchen mochte auch wohl wieder einige Tränen vergossen haben, doch schmerzhafte waren es nicht gewesen. Ein wenig befangen lächelnd sah sie aus ihren lieben Augen zu mir auf; doch ich reichte ihr schnell die Hand und sagte:
„Ich habe dem Vetter Just schon Glück gewünscht, Eva, nun laß du es auch dir von mir wünschen. Du weißt es auch schon, Freund Ewald, was für eine neue Freude dem Steinhofe von unserem Geschick zugedacht ist?“
„Ja, sie hat es mir so ruhig gesagt, wie sie uns immer alles ruhig sagte. Darin hat sich an ihr nicht das mindeste geändert. Aber sie passen nur desto besser zueinander, und die Jahre, die sie gebraucht haben, sich zu finden, sind ihnen ja ebenfalls nur etwas ganz Selbstverständliches gewesen. Nicht wahr, mein Herz, mein Herzensmädchen, um ein Glück, das aus den Wolken fiele, würdet ihr eine geraume Zeit herumgehen, ehe ihr es vom Boden aufhöbet. Doch ob ihr nicht darum gerade die Glücklichen seid, gewesen seid und sein werdet, das ist an dem heutigen Abend für mich eine Frage, die einen sein wüstes, wirres Lebenswerk noch einmal wie im Fluge von neuem tun läßt. Och arrah, arrah, komme ich noch einmal auf die Welt, so tue ich vielleicht auch meine Arbeit, ohne auf das Glück zu zählen, das aus den Wolken fällt! Selbst auf die Gefahr hin, daß man in Bodenwerder und Dorf Werden samt Umgegend selbstverständlich sagen wird: Auf das Glück, das aus den Wolken fällt, hat der Schlingel immer einzig und allein gerechnet, — ja, da sieht man’s nun!“
„Mir ist das Herz so voll, daß ich gar nichts zu sagen weiß,“ flüsterte Eva. „Lieber Friedrich, — lieber Bruder Ewald, wir müssen alle, alle glücklich und zufrieden sein. Das Schicksal kann es ja nicht böse mit uns meinen, es hätte uns sonst wohl nicht diesen Abend geschenkt. Wir sind wieder alle zu Hause, und das ist doch die Hauptsache! Morgen wollen wir von dem Schloß Werden und von Irene sprechen — wir haben ja eigentlich noch von nichts vernünftig geredet. Nimm es nur nicht übel, Fritz: im Grunde bist du doch der einzige von uns gewesen, der alle seine fünf Sinne ordentlich beieinander halten konnte!“
„Und da kräht wirklich und wahrhaftig der erste Werdener Hahn den Morgen an,“ sagte ich, um doch etwas zu erwidern. „Glück auf in der Heimat, Freund Ewald!“
Ich hatte ihn durch einen Schlag auf die Schulter von neuem aus seinem nachdenklichen Hinbrüten zu wecken.
„Was hast du gesagt?“ fragte er zerstreut.
„Wir wollen doch noch den Versuch machen, vor Sonnenaufgang unter dem alten Heimatsdache einen glücklichen Traum zu träumen.“
„Ich habe alles oben in Ordnung für euch gebracht; aber geht leise auf der Treppe, daß ihr den Vater nicht stört,“ bat Eva Sixtus.