„Musikanten zum Spielen,
Schöne Mädchen zum Lieben:
So lasset uns fahren,
Mit Roß und mit Wagen,
In unser Quartier!
In unser Quartier!“
„Ach, der Wagen stößt zu hart; wisset Ihr was, Meister Erdwin? singet Ihr weiter.“
„Wollen’s versuchen!“ sagte der Knecht Wüstemann und begann im Ton der Schlacht von Pavia das Lied von der Schlacht vor Bremen, in welche er als junger Bursch mit den Reitern des Grafen von Oldenburg gezogen war, und frisch schallte sein Baß in den Wald hinein.
„— Unser Feldherr das vernahm,
Graf Albrecht von Mansfelde,
Sprach zu seinem Kriegsvolk lobesam:
Ihr lieben Auserwählten,
Nun seid ganz frisch und wohlgemut,
Ritterlich wolln wir fechten;
Gewinnen wolln wir Ehr und Gut,
Gott wird helfen dem Rechten.“
Als der Endvers kam, war Christoph wirklich eingesungen zu sanftem Schlummer, und Hans Niekirche behielt den braunschweigschen Gassenhauer, den er eben zum besten geben wollte, auf das Ersuchen des alten Erdwins für sich. Mit einbrechender Nacht wurde bei einem Köhler mitten im Forst das Nachtquartier aufgeschlagen.
„Was ist denn da draußen vorgegangen in der Welt?“ fragte der schwarze Waldmann. „Ihr seid die Ersten nicht, die hier durchkommen sind und hier angehalten haben. Das ist ja auf einmal, als ob alles Kriegsvolk im deutschen Land sich hier auf den Wald niedergeschlagen hätt’, wie ein Immenschwarm auf den Schlehenbusch. Ist es wahr, daß das Reichsheer auseinandergelaufen ist?“
„Es ist wahr,“ sagte der Knecht Erdwin düster. „Es ist aus, — alles vorbei!“
„Vorgestern zog hier ein Trupp durch, fast zehn Fähnlein stark, aber anzusehen wie ein wüst Raubgesindel, Fußvolk und Reiter durcheinander. Wollten gen die Weser und ließen sich vernehmen, sie wollten ihrem Zahlherrn, dem Braunschweiger Herzog —“
„Die Braunschweiger?!“ riefen Erdwin und Anneke und Hans Niekirche. „Die Braunschweiger?!“ murmelte Christoph von Denow und richtete sich halb auf seinem Lager auf.
„Gehöret Ihr zu ihnen?“ fragte der Köhler mißtrauisch. „Nehmt Euch in acht; ich hab’ einen gesprochen, der sagte, der Braunschweiger habe seine Leibguardia und Reiter die Menge abgesandt, ihnen den Weg zu verlegen. Sein Feldhauptmann, der Graf von Hohenlohe, ist auch, von Mitternacht her, gegen sie aufgebrochen. Das kann ein übel Ende nehmen!“