Der Schein der Laterne fiel in das bleiche gramvolle Gesicht des Mädchens. —
„Alle Teufel, das ist ja die Anneke, die Anneke Mey von Rees her!“ rief einer der Büchsenschützen sich vordrängend. „Weibel, mit der mußt du säuberlich umgehen. Fürcht dich nit, Anneke — wo kommst du her?“
„Aus dem Moor, aus dem hessischen Darlaten, Arendt Jungbluth!“ sagte Anneke tonlos.
„Wo sie die Meutmacher niedergelegt haben? Ei, ei, Anneke, und du bist mit ihnen gezogen?“
„Sie sind im Wald über uns gekommen, weil sie der Graf von Hollach abgedrängt hatt’ von der Weser, und sie haben den Junker aufs Pferd gezwungen, und er hat nichts anders gekonnt, er hat sie müssen führen; nun aber haben sie doch geraubt und gebrannt und sind gezogen, wo sie wollten, und wir haben müssen mit ihnen durch die Wiehenberge, ins Land Hoya. Da ist es zum Ende gekommen — da hat uns der Graf gestellt, und Hans Niekirche ist tot, ist auch nicht heimgekommen zu seiner Mutter — Gnade Gott uns allen!“
Lautlos umstanden die Söldner das junge Mädchen; endlich sagte der Weibel: „So ist es geschehen, dagegen kann keiner sagen — arm Mädel, was sitzest nur hier auf dem kalten Stein?“ Stumm deutete Anneke nach dem Gefängnis im Turm über ihr; dann sagte sie: „Sie führten uns zuerst auf das feste Haus Stolzenau; nun sind wir hier zum Gericht!“
„Und der Junker, von welchem du gesprochen hast, ist da oben bei den andern?“ fragte der Weibel.
Anneke nickte.
„Das ist der Knab Christoph von Denow, von den Reitern?“ fragte wieder der Gefreite Arendt Jungbluth, welcher zuerst Anneke erkannt hatte. „Ist das dein Schatz?“
Ein leises Zittern überlief den Körper des Mädchens, sie antwortete nicht und schüttelte das Haupt und senkte das Gesicht in die Hände und legte den Kopf auf die Knie.