„Arm Kind! arm Mädel!“ murmelten die Krieger. „Aber sie kann hier nicht bleiben,“ brummte der Weibel. „Wir müssen fort, der Böse fährt uns sonst auf den Buckel!“
„Lasset mich einmal mit ihr sprechen,“ sagte Arendt Jungbluth. Er beugte sich nieder zu der Armen und flüsterte ihr zu; plötzlich stieß sie einen Schrei aus, einen Freudenschrei und stand auf den Füßen: „Wirklich, wirklich? Ihr könnt? Ihr wollt? O, Gott segne Euch tausendmal!“
„Herauf die Brücke! Herunter das Gatter! Ist’s geschehen? — Fort nach der Schloßwach! — Jürgen, marsch, voran mit der Laterne!“ kommandierte der Weibel. „Anneke, Ihr gehört zu uns, niemand tut Euch was zu Leid. Marsch, marsch!“
Die Hellebarden lagen wieder auf der Schulter: inmitten der Wachtmannschaft ging Anneke Mey, und Jürgen trug außer der Laterne auch noch das Bündlein des Soldatenkindes.
[V.]
ins schlug die Uhr des Schloßturmes, und die Krähen fuhren auf aus ihren Nestern und umflatterten krächzend die Spitze und die Wetterfahne, bis der Klang ausgezittert hatte.
„So geh zu ihm!“ flüsterte Arendt Jungbluth. „Um drei Uhr ist meine Wacht zu Ende, dann klopf’ ich und du kommst heraus. Nun gehab dich wohl; des Wärtels Margaret lauert drunten am Gang.“
„Dank Euch, dank Euch!“ flüsterte Anneke Mey. Die Gefängnistür im Mühlenturm öffnete sich kaum weit genug, um das schmächtige junge Mädchen einzulassen, und schloß sich sogleich wieder.
Die qualmende Hängelampe war wie ein roter Punkt in dem dunsterfüllten Raume anzuschauen; die meisten der Gefangenen schnarchten auf dem Stroh die Wände entlang, viele hatten aber auch die Köpfe auf den Tisch gelegt und schliefen so. — Dann und wann erklirrte leise eine Fessel, oder ein Stöhnen und Geseufz ging durch die Wölbung. Niemand hatte den Eintritt des Mädchens bemerkt.