„So hast du uns nicht verlassen, Anneke!“ rief Christoph und hielt ihre beiden Hände in den seinigen, und der Knecht Erdwin wischte verstohlen eine Träne aus den grauen Wimpern. „O, wie können wir dir je das wiedervergelten?“
„Wie könnt ich Euch verlassen? Und wenn sie Euch zum Tode führen, ich geh’ mit Euch!“
Sie saßen beieinander, Christoph und Anneke, neben dem Kamin, und die Dirne schluchzte und lächelte durch ihre Tränen. Sie vergaßen alles um sich her, und der alte Wüstemann stand dabei, seufzte tief und schwer und schüttelte das greise Haupt:
„Jammer, o Jammer!“
Um drei Uhr krähte zum ersten Mal der Hahn, um drei Uhr klopfte Arendt Jungbluth an die Tür.
„Nun muß ich scheiden!“ sagte Anneke. „Gott schütze uns; wenn das Gericht angeht, steh’ ich auf Eurem Wege, Herr.“
„Anneke, Gott lohn’s dir, was du an uns tust!“
„Fahre wohl! Fahre wohl, Anneke!“ riefen die gefangenen Meuterer. „Gott segne dich, Anneke!“
Christoph von Denow schlug die Hände vors Gesicht; — die Tür war hinter dem jungen Mädchen zugefallen. Im Osten zeigte ein weißer Streif am Nachthimmel, daß der Morgen nicht mehr fern sei, und der Wind machte sich auf, fuhr von den Harzbergen nach dem deutschen Meer und verkündete dasselbe.