Überlaut riefen bei diesen letzten Worten des Textes einige der Verurteilten: „Das helfe uns der allmächtige Gott!“ und hoben die kettenklirrenden Hände gefaltet hoch empor. Das Auge Christoph von Denows aber leuchtete plötzlich in einem Glanz, welcher darin bereits für immer erloschen schien. Hatte er eine Vision? Rief ihm eine süße bekannte Stimme von oben? Erschien ihm winkend die tote Mutter?
Christoph von Denow war zum Sterben bereit. —
„Gott, Gott, laß so nicht das Haus Denow zu End kommen!“ stöhnte in seinem Winkel Erdwin, der Knecht. „Herr, schenke du ihm einen adeligen Tod! Laß diesen Kelch an mir vorüber gehen!“
„Er soll mir den Kopf zertreten und über meinen leblosen Leib weggehen, wenn er mich nicht hören will!“ sagte Anneke Mey tonlos.
Und Dominus Basilius Sadler begann seine Buß- und Trostpredigt und teilte sie in die zwei Punkte:
Erstlich, wie sich der „heilige“ Schächer am Kreuz in einer letzten Not gehalten.
Zum andern, wie herrlich ihn Christus getröstet habe.
Der Himmel im Osten aber färbte sich immer purpurner, und die Lichter und Lampen der Kapelle erblaßten mehr und mehr vor dem Glanz, welchen Gott über die winterliche Welt leuchten ließ. Die Gefangenen neigten die Häupter tiefer und tiefer.
„— Euer Weib und Kinder befehlet ihr, die ihr welche habt, Gott dem Allmächtigen, der ist der Waisen Vater und der Witwen Richter. Ist schon dieser Tod vor der Welt schmählich, so gedenket, wenn ihr euch bekehret, daß ihr Gottes Kinder seid, dann wird solch Leiden ehrlich und herrlich. Denn der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten vor dem Herrn.“ —
„Einen ehrlichen Tod! o Gott, schenke ihm einen adeligen Tod!“ murmelte Erdwin, der Knecht.