„Monseigneur, er ist zu boshaft. Monseigneur, wenn Ihr mich wirklich liebt, so laßt mich nicht in seiner Gewalt.“
„Ruhig, ruhig, süßes Kind. Was ist denn nur eigentlich vorgefallen?“
Ja, was war vorgefallen?
Eine Zungenfertigkeit sondergleichen entwickelten Mademoiselle Bullot und Meister Claude Bullot gegeneinander, doch haben wir mit dem Ausgangspunkte des Streites nicht das mindeste zu schaffen und brauchen nur zu sagen, daß der Herzog von Chaulnes, obgleich er im Grunde seines Herzens dem erzürnten Papa recht geben mußte, in Anbetracht seiner zarten Stellung zu Mademoiselle sich auf deren Seite stellte. Sehr ärgerlich war der Herzog von Chaulnes! In äußerst lebendiger Stimmung war er durch die Gasse Quincampoix zum Dauphinswappen geschlichen, nun fand er statt Ruhe und Behagen, Unzufriedenheit und Streit; wo er Lächeln und Lachen erwartet hatte, mußte er Tränen trocknen; — notre Dame de Miracle, es war zu ärgerlich!
„Etienne,“ sagte der Herzog zu Vinacche, „Etienne, ich bin dieses Lärms müde; ich will nach Haus und du magst mit mir kommen. Meister Claude, ich versichere Euch meiner gnädigsten Ungnade! Mademoiselle, Eure rotgeweinten Augen betrüben mich sehr — gute Nacht, Mademoiselle — dazu zweihundert Louisdor im Landsknecht verloren — kommt, Etienne Vinacche, Ihr mögt mit mir zum Hotel fahren, ich habe Euch etwas zu sagen; ich habe eine Idee!“
Vergebens hing sich Mademoiselle Bullot an den Arm des Herzogs mit den süßesten Schmeicheleien und Liebkosungen. Er machte sich los, streckte dem niedergeschmetterten Wirt zum Dauphinswappen eine Faust entgegen, ließ sich von Vinacche den Mantel wieder um die Schultern legen und verließ, im höchsten Grade mißmutig gestimmt, mit seiner „Idee“ die Gargotte, in welcher nach seinem Abzuge der Tanz zwischen Vater und Tochter von neuem anging, doch diesmal mit allem Vorteil auf Seiten von Mademoiselle. Meister Claude Bullot sah ein, daß er ein Esel — ein gewaltiger Esel war; demütig kroch er zu Kreuze und nahm jede Injurie, welche ihm das Töchterlein an den Kopf warf, mit gekrümmtem Rücken in Empfang.
Unterdessen wateten mühsam der Herzog und der Italiener durch den Schmutz und die Gefahren der Gassen von Paris, bis sie an einer Ecke zu der harrenden Karosse des Herzogs gelangten. Mit tiefen Bücklingen riß der Lakai den Wagenschlag auf.
„Steig hinten auf, Etienne; ich habe mit dir zu reden,“ sagte der Herzog und warf sich in die Kissen seiner Kutsche.
„Achtung, Stefano, jetzt mag’s in deinen Topf regnen!“ murmelte der schlaue Neapolitaner, und schwerfällig setzte sich die Karosse in Bewegung.