„Morbleu!“ schrie der Wirt zum Dauphinswappen, und der Himmel weiß, was geschehen wäre, wenn nicht der Eintritt eines in einen Mantel gewickelten Mannes der Szene ein Ende gemacht hätte.

Der Mantel fiel zur Erde, und Wirt und Töchterlein und Kellnerin und Italiener riefen mit einer Stimme:

„Monseigneur!“

Der Eingetretene war Karl d’Albert, Herzog von Chaulnes, Pair von Frankreich, Vidame von Amiens, ein ältlicher Mann, dem man den „großen Herrn“ nicht im mindesten ansah, woran der bürgerliche Anzug durchaus nicht schuld war; ein Mann, von welchem einige Jahre später ein deutscher Schriftsteller sagte: „Er erwartet den Tod mitten in seinen Vergnügungen; er ist freigebig ohne Unterschied und von einem sehr abgenutzten Gehirne.“

„Holla, das geht ja lustig her!“ rief der Herzog. „Notre Dame de Miracle, und auch Vinacche dabei! Sagt mir um aller Teufel willen —“

Mademoiselle Bullot ließ ihn nicht aussprechen; sie eilte auf den hohen Herrn zu und — warf sich an seinen Hals, schluchzend, Gift und Galle speiend:

„Monseigneur, ich halt’s nicht mehr aus; Monseigneur, errettet mich aus den Händen meines Vaters! Wäre dieser edle junge Mann eben nicht dazwischen gekommen, er hätte mich gewißlich zu Tode geschlagen.“

„Wieder das alte Lied? Bullot, Bullot, ich frage Euch um Gottes willen, glaubt Ihr in der Tat, ich habe Euch Eurer roten Nase wegen zum Eigentümer dieses Dauphinswappens gemacht? Ich sage Euch, auf den Knieen solltet Ihr Eure liebenswürdige Tochter verehren; — notre Dame de Miracle, ich sage Euch zum allerletzten Male, behandelt Mademoiselle, wie es sich ziemt, oder —“

„O Monseigneur!“ flehte Meister Claude, welcher seinen Strick längst ganz verstohlen in den Winkel geworfen hatte und katzenbuckelnd so gemein und niederträchtig aussah, wie man unter der Regierung des großen Louis nur aussehen konnte. „O Monseigneur, ich versichere Euch, sie hat’s darauf abgesehen, ihren unglückseligen Vater in ein frühzeitig Grab zu bringen. Monseigneur, Ihr kennt sie nur von der einen Seite; aber ich — o Monseigneur!“ —

„Still! Ihr seid ein Schurke, und Mademoiselle ist ein Engel! — beruhige dich, Kind —“