„O nichts, Monseigneur!“ sagte der Italiener. „Ihr seid mein gnädigster, gütigster Herr und Gebieter.“ Er machte eine Verbeugung bis auf den Boden.

„Wann soll die Hochzeit sein, Monseigneur?“

„So schnell als möglich — ach!“

„Monseigneur seufzt?!“ rief Stefano schnell. „Noch ist’s Zeit, daß Monseigneur Sein Wort zurücknehme; Mademoiselle Bullot ist ein reizendes Mädchen; aber wenn Monseigneur die hohe Gnade haben wollte, mich wieder zu seinem Kammerdiener zu machen —“

„Nein, nein, nein, es bleibt dabei, Vinacche; Ihr heiratet die Schöne, und ich — ah notre Dame de Miracle — ich will hingehen und sorgen, daß Madame von Maintenon und der Pater La Chaise davon zu hören bekommen. Also geht, Vinacche; bis zur Hochzeit gehört Ihr wieder zu meinem Haus. Der Intendant soll für Euch sorgen.“

„Monseigneur ist der großmütigste Herr der Welt!“ rief Vinacche, dem Herzog die Hand küssend. Unter tiefen Bücklingen schritt er rücklings zur Tür hinaus, und tief seufzend blickte ihm sein Gönner nach.

Als sich die Tür hinter dem Italiener geschlossen hatte, murmelte dieser: „Corpo di Bacco, Achtung, Achtung, Vinacche, Stefano mein Söhnchen! Halte die Augen offen, mein Püppchen! Ist’s mir nicht versprochen bei meiner Geburt, daß ich vierspännig fahren sollte in der Hauptstadt der Franzosen?!“

Drinnen rieb sich der Herzog die Stirn und ächzte:

„Ach, Madame von Maintenon ist eine große Dame! Vive la messe!

Acht Tage nach dem eben Erzählten war eine Hochzeit in der Gasse Quincampoix. Der Wirt zum Dauphinswappen Claude Bullot verheiratete zu seiner eigenen Verwunderung und zur Verwunderung sämtlicher Nachbaren und Nachbarinnen seine hübsche Tochter mit einem ganz unbekannten jungen Menschen, der nicht einmal ein Franzose war. Mancherlei Glossen wurden darüber gemacht, und allgemein hieß es, Mademoiselle Bullot sei eine Törin, welche nicht wisse, was man mit einem hübschen Gesicht und tadellosen Wuchs in Paris anfangen könne.