„Rette, Hessen! Rette!“ schrien die flüchtigen Söldner des Landgrafen im panischen Schrecken.
„Braunschweig! Braunschweig!“ brüllte es von den Höhen der Böschungen.
„Up dei Düvels!“ schrie Heinrich Weber aus Schöppenstedt, eine Fackel in der Hand mitten unter die Hessen springend. Der flammende Brand flog im weiten Bogen gegen die Spanier — ein zweiter Satz — die zu Grund, der Bergstadt im Harz, gehämmerte Hellebarde schmetterte nieder auf eine zu Cordova geschmiedete Sturmhaube: Diego Lua aus Toboso stürzte mit einem „Valga me Dios!“ tot zurück.
„Braunschweig! Braunschweig!“ brauste es dem Schöppenstedter nach, und „Braunschweig! Braunschweig!“ jubelten auch die Hessen, welche mit neuem Mut sich wandten gegen ihre Verfolger.
„Braunschweig! Braunschweig!“ rief Christoph von Denow, dem es gelungen war, sich von seinem Pferde zu werfen, welches sich auf der Böschung hoch bäumte, im nächsten Augenblick aber, von einer Kugel getroffen, zusammenbrach. Anneke Mey stand unbeschädigt auf den Füßen, doch auch sie wurde mit hinabgerissen in die Gräben, wo sie jedoch samt Hans Niekirche hinter einem Haufen umgestürzter Schanzkörbe den verlorenen Atem wieder gewinnen konnte.
Und jetzt Angriff und wütende Verteidigung, Flüche in sechs Sprachen, Todesrufe; — auf engstem Raum Vernichtung jeder Art! — Alle Hauptleute der Braunschweiger: Adebar, Maxen, Wulffen, Wobersnau, Rußwurmb, Dux, Statz, und wie sie hießen, hatten ihre Stellen als Befehlshaber wieder eingenommen und drängten tapfer kämpfend die Spanier zurück. Tapfer stritten aber auch die Spanier. Sechs Geschütze hatten sie in den hessischen Schanzen genommen und in den Rheingraben versenkt, Schritt für Schritt wichen sie zu den flammenden Mauern und Wällen der Stadt über die Leichen ihrer Landsleute und ihrer Feinde. Der Graf von Hohenlohe in vollster Rüstung mit seinen Herren führte stets neue Truppen an; Haufen auf Haufen ließ Don Ramiro de Gusman hervorbrechen.
Dicht an den Spaniern kämpfte Christoph von Denow, das Blut rieselte aus einer Stirnwunde, — er merkte es nicht. Anneke Mey hatte sich mutig auf ihren Schanzkorb geschwungen und den widerstrebenden Niekirche nachgezogen. Sie hielt ihr Messer noch immer gezückt in der Rechten, mit der Linken hielt sie den schlotternden Trommelschläger am Kragen.
„So schlage den Sturmmarsch, Junge!“ rief sie lachend. „Willst’ nicht? Wart, gleich fliegst du herunter, daß sie dich drunten zu Brei vertreten, Feigling!“
„Ja! ja! ich will!“ jammerte Hans. „Ach wär’ ich doch daheim! Ach wär’ ich doch zu Haus! Mein Mutter! mein Mutter!“
„Na, na, schlage nur immer zu, du kommst noch davon!“ sagte Anneke begütigend und ließ den Kragen des Armen los. „Dein’ Mutter wartet schon a bissel! Schau, wie lustig das aussieht — da, guck, sie geben’s den welschen Bluthunden! Wär’ ich ’n Knab, wie du — hei, ich wollt’s ihnen auch schon zeigen!“ Und mit heller Stimme fing das Mädchen an zu singen: