„Mein Vater wollt’ ein Knäbelein,
Mein Mutter wollt’ ein Mägdelein,
Mein’ Mutter tät gewinnen,
Des muß den Flachs ich spinnen — Ja spinnen!
Das ist mir großes Leid!“
Immer mutiger schlug Hans Niekirche, durch seine Gefährtin aufgemuntert, seine Wirbel, und unter beiden Kindern vorbei drängten ununterbrochen die Scharen des Reichs vor und zurück, wie der Kampf vor- und zurückwich; bis die Spanier in die Stadt gedrängt waren, und das Zeichen zum Sammeln von allen Seiten den Deutschen gegeben wurde. Don Ramiro hatte die Rheinschleusen, welche er in seiner Gewalt hatte, öffnen lassen.
„Sieh das Wasser! das Wasser!“ rief Hans Niekirche in neuer Angst. „Laß uns fort, Anneke, sie wollen uns ersäufen, wie die jungen Katzen.“
Ein allgemeiner Schrei erhob sich unter dem Getümmel in den Laufgräben; schon standen manche Haufen bis an den Gürtel in der reißend schnell steigenden Flut.
„Halt, halt!“ rief Anneke Mey. „Er ist noch nicht zurück; aber — geh nur — geh — ich bleib’!“
„Und ich bleib’ auch!“ schrie Hans der Trommler.
„Zurück! zurück!“ tönte es aus den rückwärts weichenden Scharen des Reichsheeres: „Das Wasser! Der Rhein! Das Wasser!“ Und immerfort donnerte das Geschütz der Spanier von den Wällen, immerfort schlugen die Kugeln verheerend in das wirre, verzweiflungsvolle Durcheinander.
Es war eine böse Belagerung — die Belagerung der Stadt Rees am Rhein: es war kein Glück, es war keine Ehre dabei zu holen.
„Der Junker! der Junker! Christoph! Christoph von Denow!“ schrie die junge Dirne auf ihrer Höhe, die Hände ringend, und das Wasser stieg und stieg. Schon waren die letzten der Haufen unter ihr vorüber, und die Toten, von den Fluten gehoben, wirbelten um sie her. Da griff eine Hand aus den Wassern nach dem Schanzkorbe, auf welchem sie stand, und ein bleiches Haupt erhob sich zu ihren Füßen: „Rette! Rette!“
„Christoph! Christoph!“ schrie das Mädchen, sie lag auf den Knien, sie faßte die triefenden Locken, sie faßte den Schwertriemen — der Junker von Denow war gerettet. Valentin Weisser, der Riese, dessen Blutdurst und Mut durch den Kampf und den Rhein bedeutend gekühlt war, brachte mit Hilfe gutwilliger Genossen den wunden Junker, die Dirne und Hans, den Trommelschläger, glücklich auf das Trockene und weit hinein ins Feld, wo die gelichteten, zerrissenen, wunden Krieger des Reichsheeres um die Wachtfeuer murrend und grollend in stumpfsinniger Ermattung lagen und die Führer bereits wieder unheimliche und drohende Worte zu hören bekamen.