Der Pfarrer schwieg, trocknete seine Stirn, und wir schritten weiter und weiter.
Wir stiegen den Berghang hinan gegen unser Haus. Die Nebel hatten sich aufgelöst, und die Sonne stand schon ziemlich hoch am tiefblauen Himmel. Die Almglocken klangen auf den Höhen, und zeitweilig hörte man, in hohen Lüften getragen, das helle Jauchzen eines freudigen Menschen. — Ei wohl, unser Knecht hatte auch schön gesungen und hell gejauchzt, und an diesem lieblichen Morgen soll er gar auf dem Totenbette sein!
Das Haus stand still und traurig auf der Anhöhe. Wohl glänzte die Sonne in den Fenstern, aber diese sahen uns entgegen, wie verglaste, verweinte Augen.
Ich zitterte vor Angst; ich hielt die Laterne hoch und das Glöcklein ließ ich klingen. Niemand kam uns entgegen, niemand kniete vor dem Hause, um sich den Segen des nahenden Heilandes zu erbitten. Die Türen waren offen, wir gingen in das Haus und durch die Vorlauben in die Stube. Es war niemand da, nur die Uhr an der Wand tickte und tickte.
Der Kranke ist noch auf dem Heuboden, dachte ich, und sie sind alle bei ihm. Der Pfarrer stellte das Sakrament auf den Tisch und sank erschöpft auf die Bank daneben. Ich eilte auf den Heuboden und rief laut, daß wir da seien. Der Heuboden war still und dunkel, nur das frischduftende Heu war da. Und das Bett des Knechtes war leer! — Da erfaßte mich ein Grauen, und ich lief zurück in die Stube: „Kein Mensch ist da, kein Mensch im ganzen Hause; sie haben ihn gar schon fortgetragen!“
Da erhob sich der Priester, sein Antlitz rötete sich und er sah mich an mit strengem Blicke. Ich brach in ein Weinen aus. Wir ließen die Heiligtümer auf dem Tische stehen und gingen vor das Haus, und ich rief, was ich rufen konnte, nach den Leuten.
Endlich hörte ich von dem Schachen herüber halb verhallte Schläge. Ich lief gegen den Wald und schrie, und mein Schreien wurde aus Angst und Furcht schier zum Kreischen.
„Sakra, was ist denn das für ein abscheulicher Lärm da unten? Was hat’s denn?“ hörte ich plötzlich eine Stimme von dem Wipfel einer hohen Fichte her.
Ich schau’ hinauf, hör’ ihn, seh’ ihn — es ist der Hansjörgl.
Und er hackt die Äste herab, einen um den andern, und singt und jauchzt. Da lauf’ ich wohl wieder zurück zum Hause, zum Pfarrer, auf daß ich niederfalle vor ihm auf die Kniee und ihn tausendmal um Verzeihung bitte, daß der Knecht wieder kernblitzgesund ist und von den Bäumen die Äste herabhackt zur Streu für die Rinder.