Ick künn nu hir de Geschichten vertellen, de ick anstellt[1169] heww, ward mi äwer woll häuden.[1170] Dat Unglück künn sinen Gang gahn, un de Vertellung[1171] künn in mine Fru ehr Hänn’[1172] fallen un sei künn mäglich[1173] marken,[1174] dat all dese Stückschen[1175] afkortet[1176] west sünd, un dat sei in ehre Gaudheit anführt worden is, un sei künn seggen: „Holt![1177] dit Spill[1178] gelt[1179] nich; Du hest mit Fisematenten spelt.[1180] Ick will mal de Korten[1181] mischen. — So! de Vörhand heww ick, un nu man ’rut! Bedein’[1182] mi desen un bedein’ mi jennen! Un nu will wi mal seihn, ob Du ut den Ganten büst?“[1183]
Äwer männigmal,[1184] wenn sei nu so as min Fru still un flitig[1185] üm mi herümme geiht un för mi allerwegen sorgt un mi in ehre Fründlichkeit nahgiwwt,[1186] denn denk ick doch so bi mi: „Schäm’ di, dat du mit Hinnerlistigkeit tau Wark gahn[1187] büst!“ un ick säd nilich[1188] tau minen Unkel: „Weißt wat? Ick vertell ehr, wo ’t[1189] mit de dummen Streich vör de Hochtid tausamen[1190] hängt.“ — „„Plagt hei Di?“““ fröggt min Unkel. „„Jede rechtschaff’ne Kirl möt af un an en gauden dummen Streich un en gauden Witz maken; äwer hei darw sei nich sülwst wider vertellen, denn denn[1191] verliren sei all’ beid’ ehre Kraft. Ji lewt jo[1192] glücklich, dormit wes taufreden.““[1193] — „Je,“ segg ick, „dat seggst Du; äwer mi is männigmal so tau Maud’,[1194] as wenn wi noch glücklicher lewen künnen, wenn sei dat Regiment hadd.“ — „„Min Sähn,““ säd min oll Unkel Matthies un läd[1195] mi de Hand up de Schuller,[1196] „„all dat Glück, wat up dese Ird[1197] mäglich is, föllt meindag nich in eine Hand herinne, begnäug’[1198] Di mit dat, wat Du hest. Un wat den Ehstand anbedrapen deiht,[1199] hest Du den ollen Jochen Smitten[1200] noch kennt? Den ollen Jochen Smitt mein ick, de mit sine olle Fru achtig Johr olt[1201] würd, un nahsten[1202] mit ehr tausamen an einen schönen Sommer-Sünndagmorrn begrawen würd. Na, de säd mal tau mi — denn ick sülwst verstah nicks von de Sak — „Herr Wachtmeister,“ säd hei, de Ehstand is as en Appelbom,[1203] dor sitt Einer in[1204] un plückt un plückt; äwer de schönsten un rodsten Appel[1205] sitten in de Spitz, dor langt Keiner ’ranne, denn dor is de Natur tau kort[1206] tau. Wenn nu Einer unverstännig is, un mit Gewalt de Appel krigen will, denn halt[1207] hei sick en Staken[1208] un hau’t de schönen Appel ’run, äwer ok taunicht,[1209] un hau’t de Telgen[1210] dorbi af, woran de besten Dragknuppen[1211] för de Taukunft sitten; de vernünftig Mann lett[1212] sei ruhig sitten un täuwt[1213] bet up den Spätharwst,[1214] denn[1215] fallen sei em von sülwst in den Schot,[1216] un denn smecken sei vel säuter.“[1217] — Un dorüm Jung’,““ sett’t[1218] min oll Unkel hentau[1219] un sin oll irnstfast Gesicht sach ok gor tau truhartig ut,[1220] „„kläter[1221] Din roden Appel nich vör de Tid[1222] von den Bom, und täuw’ bet tau ’m Spätharwst — Din wohrt[1223] jo nich lang’ mihr — un wenn Du Din Fru den letzten schönen Appel bringst, denn vertell[1224] ehr ok de Geschicht von Din’ dummen Streich vör de Hochtid, denn sallst Du seihn, denn freut sei sick doräwer.““
Signet der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
Albert Roderich:
Nemesis.
Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers abgedruckt aus seinem Buche „Die glückliche Ehe und andere Humoresken“ (Berlin: H. Conitzers Verlag).
Nemesis.
Wie liebenswürdig im besten Sinne des Wortes war meine verehrte Freundin, die verwitwete Frau Professor Mentow, gegen uns Gäste gerade heute gewesen, wie viele hübsche und menschenfreundliche Worte waren da in unserer kleinen Gesellschaft hin und her geworfen worden, und wie war der Rotwein doch excellent! Was ist das beste bei einem guten Mittagessen? Die Cigarre nachher, behaupte ich, und deshalb hatte ich mich in den stillsten Winkel eines kleinen Nebenzimmers zurückgezogen und blies in jener behaglichen Stimmung des halb ruhenden Körpers und des halb erregten Geistes künstlerisch vollendete Rauchringe in die Luft.
Ich richtete mich, halb unwillkürlich, schnell aus meiner etwas sehr bequemen Lage auf, als die Dame des Hauses plötzlich und unerwartet vor mir stand.
„Sie sind heute so pessimistisch, so ernsthaft — Sie, der Philosoph des lebenslustigen Humors — hat Ihnen vielleicht Ihr Leibgericht, der Apfelkuchen, nicht geschmeckt?“
„Verehrte Frau, wenn Sie doch einmal in die geheimsten Tiefen meines Gemütes eingedrungen sind, so will ich Ihnen gestehen — ich habe überhaupt gar nichts von dem Apfelkuchen gegessen!“