Die Wirkung war eine betrübende, niederschlagende. Das Fräulein verfiel nach einem Momente des stieren Entsetzens in recht unangenehme Zornesausrufungen und Vorwürfe; sie stampfte sogar mit dem sonst so zierlichen Fuße heftig auf, und — mit einem Worte, sie ward in dem Augenblicke mehr als häßlich und geistlos — sie ward unliebenswürdig. So weit nun glaube ich nach gangbar menschlichen Begriffen korrekt, zum mindesten verzeihlich, gehandelt zu haben. Oder sind Sie anderer Meinung, verehrte Freundin?“

„Nach den gangbar menschlichen Begriffen haben Sie vielleicht verzeihlich gehandelt — nach den gangbar weiblichen wohl kaum.“

„Nun einerlei — in der Fortsetzung meines Tuns beging ich die tragische Schuld, die mich sicher im fünften Akt zerschmettern wird. Ich sagte dem Fräu lein in der Erregung des Disputes: „Ich habe den Wein absichtlich über den Hut gegossen, um deinen Charakter kennen zu lernen! Ich habe ihn kennen gelernt!“ Da wuchsen plötzlich an die kleinen Schlangen des Ärgers und der Zanklust, die bisher aus den Augen des Mädchens züngelten, die Furienhäupter der Wut und des Zornes, und — o, all ihr Männer, die ihr freien wollt — erst prüfet, wodurch das Weib eurer Wahl zornig gemacht wird, und wie es sich gebärdet im Zorne!

„Ich eilte von dannen, und am nächsten Tage reiste Fräulein Emma von Kanten auf längere Zeit zu auswärtigen Verwandten. Es sind nun fast zwanzig Jahre seitdem vergangen, und ich habe das Fräulein seit der Zeit in langen Zwischenräumen einige Male in Gesellschaften getroffen, und jedesmal, wenn ich sie getroffen, ist mir zur selbigen Stunde irgend etwas Fürchterliches zugestoßen. Das eine Mal habe ich einer Dame die Schleppe abgetreten, das zweite Mal bin ich in einem wohlpräparierten Toaste stecken geblieben, das dritte Mal — ach, einerlei, wenn ich jene Dame sehe, ist mir wie dem Seefahrer, der das Geisterschiff des fliegenden Holländers schaut — er weiß, ihm steht ein Unheil bevor. Und heute hat sie gar neben mir gesessen — weh’ mir, was wird mir heute noch geschehen!“

Frau Professor Mentow lachte.

„Lieber Freund, Sie werden da von einer ganz gerechten, humoristischen Nemesis verfolgt. Sie haben es wahrscheinlich durch Ihren ernsthaften Scherz verschuldet, daß jene Jungfrau im Zorne zur alten Jungfer geworden ist, die jetzt für Frauen rechte kämpft, weil ihr das Frauen recht versagt ist.“

„Ja, auch bei Tische hat sie fast ausschließlich von den Rechten der modernen Frau gesprochen, aber ich glaube, sie kämpft nicht — sie streitet nur dafür.“

„In der Tat, lieber Freund —“

Die Frau Professorin kam nicht weiter in diesem Satze, denn die Tür ward geöffnet, und einer meiner Mitgäste rief, uns gewahrend, herein: „O, hier sind Sie versteckt, und drinnen streitet man sich um Sie oder über Sie — und dann entführen Sie uns auch noch unsere liebenswürdige Frau Wirtin!“

Wir erhoben uns schnell und traten in den Salon. Die kleine Gesellschaft saß in lebhafter Unterhaltung beim Kaffee. Frau Emerich, die intime Freundin des Fräuleins von Kanten, rief mir zu, sobald sie meiner ansichtig ward: „Ah, da ist ja der Lästerer — vielleicht hat er die Gewogenheit, uns einen Kommentar zu seinen rätselhaften Äußerungen über die Frauenfrage zu geben.“