Ich nahm mich tüchtig zusammen, setzte mich mit gewaltsam erzwungener Ruhe in einen Schaukelstuhl und sagte mit vermeintlicher Gelassenheit:

„Gnädige Frau, ich glaube, Sie haben hier in diesem Augenblicke gar keine Frauenfrage, sondern eine Männerfrage behandelt.“

„Wie?! was ist das?!“

„Ja, ich glaube, die hier gemeinte Frauenfrage hat einige Ähnlichkeit mit der sozialdemokratischen: der Sozialdemokrat hört auf, es zu sein, wenn er Rentier geworden ist, und die meisten Mädchen halten die Frauenfrage für gelöst, wenn sie Gattin geworden sind. Es ist also eine Männerfrage.“

Fräulein Emma von Kanten warf mir einen vergifteten Blick herüber und sagte mit scharfer Betonung:

„O, mein Herr, wir haben hier bis jetzt ganz ernsthaft debattiert, und zwar über die Ansichten, die Sie selber in Ihrem Feuilleton über die Frauen öffentlich geäußert haben. Wenn Sie es jetzt für nötig halten, Ihre vielleicht etwas bleichwangige Argumentation mit der Schminke eines beschönigenden Scherzes zu beleben, so sage ich Ihnen im Tone der tiefsten Überzeugung: die Frau ist dem Manne ebenbürtig. Sie soll nicht seine Sklavin sein, sie ist berufen, mitzuwirken für die höchsten Ziele der Menschheit!“

„O, mein Fräulein, wenn Sie Recht hätten — wie Unrecht hätten Sie! Sie wollen dem Manne ebenbürtig sein und keine Sklavin! Wir Männer sind aber selbst Sklaven — Sklaven der Arbeit, der Verhältnisse, des Erfolges — Sklaven des Ehrgeizes, der Wissenschaft — und, da Sie uns ebenbürtig sein wollen — ist es denn ein gar so verächtlicher Sklavendienst, wenn Sie all Ihre unzähligen Liebenswürdigkeiten und Reize in einem blumendurchwirkten Fächer zusammenhalten, um dem ermüdeten Mitsklaven die lästigen Insekten der Sorgen und Mühen fortzufächeln?“

„Das heißt,“ rief jetzt die älteste der Anwesenden, „das heißt in gewöhnlichen Worten: wir sollen Köchinnen, Kinderwärterinnen und Krankenpflegerinnen werden. Und unser Herz, unser Geist, unsere Ideale?!“

„Gnädige Frau, war es nicht einst Ihr höchstes Ideal, den Mann mit Ihrer Liebe beglücken zu dürfen? Und ist es nicht jetzt Ihr höchstes Ideal, Ihre einzige Tochter recht, recht glücklich verheiratet zu sehen?“

„Allerdings!“